Am 8. März feierte Longyearbyen nicht nur die Rückkehr der Sonne, sondern versammelte sich auch im Svalbard Museum, um den Internationalen Frauentag zu würdigen. Der Frauentag hat in der Stadt eine lange Tradition: 1975 fand der erste Frauenmarsch statt, an dem fünf Frauen teilnahmen, um das Internationale Frauenjahr der UN zu markieren und die Rechte von Frauen selbst in dieser entlegenen arktischen Gemeinde zu betonen. Jahrzehnte später war das Museum bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Gemeinschaft zusammenkam, um zu reflektieren, zu diskutieren und Musik zu genießen.
Das Programm begann mit einem Auftritt des lokalen Chors „Tundradundrene“. Politikerin und Feministin Katrine Boel Gregussen eröffnete die Veranstaltung mit einer Rede über die fortwährende Notwendigkeit des Internationalen Frauentags, besonders in einem globalen Kontext, in dem die Rechte von Frauen bedroht sind. Sie wies auf den Anstieg sexualisierter Gewalt in Konfliktgebieten hin und darauf, dass Frauenrechte in instabilen Gesellschaften oft als erstes angegriffen werden. Gleichzeitig betonte sie, dass Frauen weiterhin eine wichtige Rolle beim Zusammenhalt von Gemeinschaften spielen. Ihre Botschaft: gemeinsam für Gleichberechtigung einzutreten und Frauen solidarisch zu unterstützen.
Die Podiumsdiskussion, moderiert von der Journalistin Line Nagell Ylvisåker von der Svalbardposten, brachte drei Frauen zusammen, die über ihre Erfahrungen in Svalbard berichteten. Jaroslava Skorikova, eine russisch-estnische Reiseleiterin, zog 2017 nach Barentsburg und 2021 nach Longyearbyen. Sie sprach über das Überwinden von Hürden in männerdominierten Berufen, unter anderem als erste weibliche Schneemobilguide in Barentsburg. Sie hob auch die Rückentwicklung der Frauenrechte in Russland hervor, wo Frauen zunehmend auf ihre Rolle als Gebärende reduziert werden, um die durch den Krieg verlorenen Männer zu ersetzen. Sally Hovelsø, eine Dänin und inzwischen norwegische Staatsbürgerin, berichtete über lokale politische Herausforderungen, darunter der Entzug des Wahlrechts für Nicht-Norweger, sowie über die Schwierigkeiten als frischgebackene Mutter. Sie merkte an, dass die Gemeinschaft in Longyearbyen im Laufe der Jahre immer stärker gespalten wirkt. Febylin Salaspi von den Philippinen zog vor drei Jahren nach Longyearbyen und berichtete von ihren Erfahrungen, ihre Familie im Heimatland zu unterstützen, Gemeinschaftsprojekte zu leiten und traditionelle Geschlechtererwartungen in Führungsrollen herauszufordern.
Die Diskussion machte deutlich, dass soziale und politische Unterschiede weiterhin bestehen und dass Solidarität, Reflexion und Dialog wichtig bleiben. Selbst im hohen Norden werden globale Spannungen und Bedrohungen der Frauenrechte wahrgenommen und ernst genommen.
Léa Zinsli, PolarJournal

