Regen, Matsch und Rekordtemperaturen prägen den April auf Svalbard

von Léa Zinsli
05/16/2026

Außergewöhnlich warme Temperaturen und Regen beeinträchtigten im April Forschung, Tourismus und Winteraktivitäten auf Svalbard.
Schneemobile stehen am 19. April auf nasser, tauender Tundra in Longyearbyen während eines außergewöhnlich warmen Frühlings auf Svalbard (Foto: Léa Zinsli)

Svalbard erlebte in diesem Jahr einen außergewöhnlich warmen April. Nach Angaben des Norwegischen Meteorologischen Instituts lagen die Temperaturen während des gesamten Monats jeden Tag über dem Durchschnitt. In der gesamten Arktis beeinträchtigte die ungewöhnliche Wärme Forschung, Tourismus und Outdoor-Aktivitäten in einer Jahreszeit, die normalerweise stabile Schnee- und Eisbedingungen bietet.

Am Flughafen von Svalbard wurde für April eine Durchschnittstemperatur von −2,7 °C gemessen, was 6,1 °C über dem langjährigen Mittel für diesen Monat liegt. In Ny-Ålesund wurde derselbe Durchschnittswert registriert, 6,0 °C über dem Normalwert. An einigen Tagen lagen die Temperaturen auf Svalbard 5 bis 6 Grad über dem saisonalen Durchschnitt.

Die Wärme erstreckte sich über die gesamte Arktisregion. Auf Jan Mayen wurde eine durchschnittliche Monatstemperatur von 0,9 °C gemessen. Damit war es dort der wärmste April seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1921. Zudem registrierte die Insel am 21. April mit 11,7 °C eine neue Rekordhöchsttemperatur. Auch Nordnorwegen insgesamt verzeichnete den wärmsten April seit Beginn der Messungen.

Große Pfützen bildeten sich am 11. April im Hafen von Longyearbyen und auf dem zentralen Parkplatz der Stadt, als ungewöhnlich hohe Temperaturen und Regen die Schneeschmelze auf Svalbard beschleunigten (Foto: Léa Zinsli)

Die ungewöhnlichen Wetterbedingungen erschwerten den Alltag auf Svalbard erheblich. Regen, offene Flüsse und instabile Schneeverhältnisse machten Reisen außerhalb der Siedlungen schwieriger als gewöhnlich, und mehrere geplante Forschungsausflüge mussten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Forschende berichteten zudem von erschwertem Zugang zu Untersuchungsgebieten, da Schnee und Eis früher als erwartet auftauten.

Auch der Tourismus war betroffen. Mehrere Schneemobil- und Hundeschlittentouren mussten wegen mangelnder Schneedecke und unsicherer Bedingungen abgesagt werden. Besucherinnen und Besucher trafen rund um Longyearbyen statt auf winterliche Bedingungen vielerorts auf Regen, Matsch und freiliegenden Boden.

Auch der jährliche Skimarathon auf Svalbard fand unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen statt. Starker Regen und schlechter werdende Schneeverhältnisse zwangen die Organisatoren dazu, die Strecke anzupassen, damit das Rennen überhaupt stattfinden konnte. Am Flughafen von Svalbard wurde am 19. April zudem ein neuer Niederschlagsrekord für einen Apriltag registriert, als innerhalb eines Tages 14,6 Millimeter Niederschlag fielen.

Die Ausdehnung des Meereises rund um Svalbard war die drittniedrigste, die jemals für einen April gemessen wurde. Für die gesamte Arktis wurde die zweitniedrigste April-Meereisausdehnung seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1978 registriert.

Léa Zinsli, PolarJournal