Die arktischen Winter werden wärmer

von Heiner Kubny
06/25/2026

Selbst direkt am Nordpol ist die Eisbedeckung dünner geworden. (Foto: Heiner Kubny)

Die Arktis erwärmt sich schneller als jede andere Region der Erde. Neue Prognosen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zeigen, dass die Wintertemperaturen in den kommenden fünf Jahren deutlich ansteigen werden. Bis 2030 könnten sie durchschnittlich 2,8 Grad Celsius über dem Mittelwert der Jahre 1991 bis 2020 liegen. Im vorherigen Fünfjahreszeitraum betrug die Abweichung noch etwa 1,2 Grad Celsius.

Laut dem aktuellen Klimabericht der WMO schreitet die Erwärmung der Arktis mehr als dreieinhalb Mal schneller voran als im weltweiten Durchschnitt. Ein Hauptgrund dafür ist der Verlust von Schnee und Meereis. Die hellen Eisflächen reflektieren normalerweise einen großen Teil der Sonnenstrahlung zurück ins All. Wenn das Eis schmilzt, wird dunkles Meerwasser freigelegt, das mehr Wärme aufnimmt und die Erwärmung zusätzlich verstärkt.

Die Erwärmung der Arktis ist kaum mehr zu bremsen.

Die Folgen dieser Entwicklung sind bereits deutlich sichtbar. Die Jahre 2024 und 2025 waren die wärmsten seit Beginn der modernen Messungen in der Arktis. Gleichzeitig erreichte die maximale Ausdehnung des Wintermeereises einen historischen Tiefstand.

Die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf die Polarregion. Wissenschaftler warnen davor, dass die rasche Erwärmung globale Wettermuster verändern, extreme Wetterereignisse verstärken und den Meeresspiegelanstieg beschleunigen kann. Zudem rechnen Experten mit feuchteren Bedingungen in Nordeuropa, Alaska und Sibirien, während Teile des Amazonasgebiets trockener werden könnten.

Auch weltweit sind die Aussichten besorgniserregend. Die WMO geht davon aus, dass die globale Durchschnittstemperatur in den nächsten Jahren die kritische Grenze von 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zeitweise überschreiten wird.

Klimaexperten bezeichnen die Arktis als Frühwarnsystem der Erde. Sie betonen, dass nur eine deutliche Verringerung der Treibhausgasemissionen die weitere Erwärmung verlangsamen und schwerwiegende Folgen für Mensch und Umwelt verhindern kann.

Heiner Kubny, PolarJournal