Sonnenfinsternisse haben für uns eine ganz besondere Faszination. Wir durften bereits mehrere erleben, doch eine ist bis heute unvergessen: die totale Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 auf Spitzbergen. Damals verwandelte sich die arktische Landschaft für wenige Minuten in eine fast unwirkliche Welt aus Dunkelheit, Eis und Licht.
Am 12. August 2026 wollten wir dieses Erlebnis wiederholen. Doch wie so oft bei einer Sonnenfinsternis entschied am Ende nicht nur die sorgfältige Planung – sondern vor allem das Wetter.
Von der Arktis bis nach Spanien
Die Totalitätszone begann in der russischen Hocharktis, zog über den Arktischen Ozean nach Grönland und Island und erreichte schliesslich Spanien. Von dort wanderte der Mondschatten bis zu den Balearen, wo die Finsternis kurz vor Sonnenuntergang endete.
Gerade die tief stehende Sonne machte dieses Ereignis fotografisch besonders reizvoll.
Grönland war unser erster Traum
Ursprünglich wollten wir die Sonnenfinsternis wieder in der Arktis erleben, am liebsten in Grönland. Bereits Monate vorher beschäftigten wir uns intensiv mit möglichen Beobachtungsorten.
Doch die Auswertung der Bewölkung jeweils am 12. August während der vergangenen rund 20 Jahre zeigte für die infrage kommenden Regionen Grönlands ein sehr hohes Wolkenrisiko. Zudem wären viele geeignete Orte praktisch nur mit einem Expeditionsschiff erreichbar gewesen.
Für uns kam ein weiteres Problem hinzu: Mit einem 600-mm-Teleobjektiv wirklich scharfe Aufnahmen der Sonnenkorona von einem sich bewegenden Schiff zu machen, ist schwierig. Deshalb entschieden wir uns für festen Boden unter den Füssen.
Cabo Peñas als Favorit
Zunächst hatten wir Mallorca im Auge. Wegen des erwarteten grossen Andrangs von Sonnenfinsternis-Beobachtern suchten wir jedoch weiter und fanden unseren Favoriten an der nordspanischen Atlantikküste: Cabo Peñas in Asturien.
Die rund 100 Meter hohe Steilküste, schroffe Klippen und der offene Atlantik boten eine fantastische Kulisse. Mit der tief stehenden Sonne hätten hier aussergewöhnliche Bilder entstehen können.
Das Problem blieb das Wetter. Bereits sieben Tage vorher verfolgten wir täglich die Prognosen. Als Plan B wählten wir die Gegend um Valladolid, rund 300 Kilometer weiter im Landesinneren. Dort war das Bewölkungsrisiko deutlich geringer.
Dann kamen die Wolken
Bereits 48 Stunden vor der Sonnenfinsternis waren wir bei Cabo Peñas. Doch was wir sahen, beunruhigte uns: Gegen Mittag bildeten sich immer wieder Wolken, und auch die Prognosen für den 12. August versprachen keine wesentliche Verbesserung.
Das Risiko war uns zu gross. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von unserem Traumplatz am Atlantik und machten uns auf die lange Fahrt ins spanische Landesinnere.
Rund neun Stunden vor der Finsternis waren wir an unserem neuen Beobachtungsplatz. Nun begann das Warten – bei Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius. Immer wieder ging der Blick zum Himmel. Würde unsere Entscheidung richtig gewesen sein?
Und plötzlich wurde es dunkel
Je weiter sich der Mond vor die Sonne schob, desto stärker veränderte sich das Licht. Die Landschaft verlor langsam ihre vertrauten Farben, bis kurz vor der Totalität alles sehr schnell ging.
Das letzte direkte Sonnenlicht verschwand. Für einen kurzen Moment lag die Landschaft in einer fast unwirklichen Dunkelheit. Am Himmel stand die schwarze Scheibe des Mondes, umgeben von der hell leuchtenden Korona.
Trotz aller Vorbereitung, trotz Kameras und Konzentration auf die richtigen Belichtungszeiten gab es diesen einen Moment, in dem wir einfach nur hinschauten. Die Korona am dunklen Himmel zu erleben, hinterliess erneut einen unvergesslichen Eindruck.
Wenige Augenblicke später erschien das erste direkte Sonnenlicht wieder – und die Dunkelheit verschwand ebenso schnell, wie sie gekommen war.
Die Sonnenfinsternis 2026 hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig neben einer sorgfältigen Vorbereitung auch Flexibilität ist. Cabo Peñas wäre landschaftlich unser Traumplatz gewesen. Doch bei einer Sonnenfinsternis zählt am Ende vor allem eines: freie Sicht zur Sonne.
Die lange Fahrt, neun Stunden Warten und 36 Grad Hitze waren in jenem Moment vergessen, als die Korona am dunklen Himmel erschien.
Rosamaria Kubny, PolarJournal

