Qillaniq ist eine lebendige und einfallsreiche Würdigung indigener Kunst aus verschiedenen Regionen des zirkumpolaren Nordens. Die Ausstellung, die vom 12. Juni bis zum 20. September läuft, vereint Werke von 70 indigenen Künstlerinnen und Künstlern aus Inuit Nunaat, Kalaallit Nunaat (Grönland), Sápmi und Denendeh. Organisiert von einem internationalen Kuratorenteam, das ausschließlich aus Angehörigen indigener Gemeinschaften besteht, überschreitet sie moderne geopolitische Grenzen und bringt Gemeinschaften in einem gemeinsamen Raum zusammen.
Die Kraft der Verbundenheit
Gemeinschaft steht im Zentrum der kuratorischen Vision von Qillaniq. Die Ausstellung widmet sich Verbindungen, die über große Entfernungen und Generationen hinweg bestehen, während Wissen, Traditionen und kreative Praktiken weitergegeben, bewahrt und zugleich weiterentwickelt werden. Diese Verbindungen sind heute von besonderer Bedeutung, da die indigenen Völker der zirkumpolaren Regionen weiterhin mit dem Erbe des Kolonialismus leben und gleichzeitig mit raschen Umweltveränderungen, industriellem Druck und wachsenden geopolitischen Spannungen konfrontiert sind.
Kompromisslos leuchtend
Trotz des Gewichts dieser drängenden Herausforderungen schlägt die Ausstellung keinen düsteren Ton an. Ganz im Gegenteil. Die Kuratorinnen und Kuratoren betonen den lebendigen, improvisatorischen und kompromisslos leuchtenden Charakter von Qillaniq. Schon der Name der Ausstellung bringt diesen Geist zum Ausdruck. Qillaniq (ausgesprochen „qeel-lah-NEEQ“) ist ein Wort aus dem Inuktitut, einer in der kanadischen Arktis gesprochenen Inuit-Sprache, und beschreibt das Schimmern von Sonnen- oder Mondlicht auf der Wasseroberfläche. Die Ausstellung feiert lebendige Kulturen, Kreativität und die Freiheit zu experimentieren und sich auszudrücken, anstatt die Erfahrungen der indigenen Völker des zirkumpolaren Raums ausschließlich über die Herausforderungen zu definieren, mit denen sie konfrontiert sind.
Das „Museums“-Klischee durchbrechen
Der kuratorische Ansatz wendet sich bewusst vom Klischee einer stillen und starren Museumsausstellung ab und lässt Kreativität in unterschiedlichsten Formen zu. Mehr als 80 ausgestellte Werke umfassen Zeichnung, Druckgrafik, Malerei, Video, Installation, Skulptur und Performancekunst. Für die Besucherinnen und Besucher beschränkt sich die Begegnung mit der Ausstellung jedoch nicht darauf: Zum Programm gehören auch Führungen, Workshops und Vorträge.
Qillaniq greift die Idee des gemeinsamen Vorangehens auf. Auf Respekt vor der Vergangenheit und kultureller Kontinuität aufbauend, ist die kuratorische Vision der Ausstellung eng mit den Realitäten des heutigen Lebens verbunden und unterstreicht zugleich die fortwährende Entwicklung dieser Kulturen. Durch Kreativität, Gemeinschaft und Verbundenheit entwirft Qillaniq die Vision einer gemeinsamen zirkumpolaren Zukunft.
Dr. Yana Kirichenko, PolarJournal

