Russlands Ausbau seiner atomgetriebenen Eisbrecherflotte verzögert sich. Die «Tschukotka», der nächste Eisbrecher der Baureihe Projekt 22220, soll nicht wie geplant Ende 2026, sondern erst 2027 in Dienst gestellt werden.
Die «Tschukotka» entsteht auf der Baltischen Werft in St. Petersburg. Noch Ende 2025 hatte die staatliche United Shipbuilding Corporation die Ablieferung für Dezember 2026 angekündigt. Inzwischen wurde der Termin auf das kommende Jahr verschoben. Gründe für die Verzögerung wurden bislang nicht genannt.
Die Eisbrecher des Projekts 22220 bilden das Rückgrat der russischen Strategie für eine möglichst ganzjährige Nutzung der Nördlichen Seeroute. Mit rund 60 Megawatt Antriebsleistung können sie Eis von bis zu etwa drei Metern Dicke durchbrechen. Dank ihres variablen Tiefgangs sind sie sowohl im Arktischen Ozean als auch in flacheren sibirischen Küstengewässern einsetzbar.
Vier Schiffe dieser Klasse stehen bereits im Dienst: «Arktika», «Sibir», «Ural» und «Yakutia». Mit der «Tschukotka» soll die Flotte weiter wachsen. Danach folgen die bereits im Bau befindlichen «Leningrad» und «Stalingrad», deren Indienststellung für 2028 beziehungsweise 2030 vorgesehen ist.
Die Verzögerung fällt in eine Phase, in der Russland seine Kapazitäten entlang der Nördlichen Seeroute weiter ausbauen will. Atomgetriebene Eisbrecher sind dabei vor allem für arktische Rohstoffprojekte sowie die Begleitung von LNG- und Öltankern von Bedeutung. Im Frühjahr 2026 waren zeitweise acht russische Atomeisbrecher gleichzeitig im westlichen Teil der russischen Arktis im Einsatz.
Gleichzeitig steigen die Kosten. Für «Leningrad» und «Stalingrad» werden zusätzliche Finanzierungsquellen gesucht. Die Kosten werden inzwischen mit rund 85 Milliarden Rubel pro Eisbrecher beziffert. Diskutiert werden unter anderem zusätzliche Gebühren auf Ladungen, die über die Nördliche Seeroute oder russische Seehäfen transportiert werden.
Die Verzögerung der «Tschukotka» zeigt, dass der weitere Ausbau der russischen Arktisflotte trotz hoher Investitionen mit finanziellen und technischen Herausforderungen verbunden bleibt.
Heiner Kubny, PolarJournal

