Der Rückzug der Gletscher verändert die Landkarte Spitzbergens. An der Südostküste von Nordaustlandet ist eine neue Insel entstanden. Eine zuvor mit dem Eis verbundene Landfläche ist durch den Rückzug der mächtigen Austfonna inzwischen vollständig vom Gletscher getrennt.
Wie das Norwegische Polarinstitut am 4. September 2026 mitteilte, wurde die Insel auf Satellitenbildern dieses Sommers entdeckt. Sie liegt im Harald-V-Land an der Südostseite der Austfonna, der größten Eiskappe Spitzbergens.
Noch vor kurzer Zeit war die felsige Landfläche durch Gletschereis mit dem übrigen Land verbunden. Bereits im Spätherbst 2025 öffnete sich jedoch ein schmaler Wasserweg. Inzwischen hat sich die Eisfront weiter zurückgezogen und zwischen der neuen Insel und dem Gletscher liegen rund 400 Meter Wasser.
Eine wichtige Ursache dürfte das wärmer werdende Meer östlich von Spitzbergen sein. Der Glaziologe Geir Moholdt vom Norwegischen Polarinstitut geht davon aus, dass warmes Meerwasser wesentlich zum schnellen Rückzug der Gletscherfront beigetragen hat. Gleichzeitig setzen wärmere Sommer dem Eis von oben zu. In den vergangenen Jahren verloren die Gletscher Spitzbergens im Durchschnitt mehr als einen Meter Eis an ihrer Oberfläche pro Jahr.
Die Veränderungen werden zunehmend auch auf den Landkarten sichtbar. Gletscherfronten ziehen sich zurück, Fjorde verlängern sich und bislang vom Eis verdeckte Landflächen kommen zum Vorschein. Deshalb wird Spitzbergen regelmäßig aus der Luft und mit Satelliten neu vermessen.
Die jetzt entdeckte Insel dürfte dabei kein Einzelfall bleiben. Nach Angaben des Norwegischen Polarinstituts gibt es bereits mehrere weitere Gebiete, aus denen durch den fortschreitenden Gletscherrückzug neue Inseln entstehen könnten.
Die Entdeckung zeigt damit auf besonders anschauliche Weise, wie die Erwärmung der Arktis inzwischen nicht nur das Eis, sondern auch die Landkarte Spitzbergens verändert.
Heiner Kubny, PolarJournal

