Mitten im Arktischen Ozean hat der schwedische Forschungseisbrecher Oden den Meeresboden für ein ungewöhnliches Infrastrukturprojekt vermessen. „Polar Connect“ soll langfristig eine Glasfaserverbindung zwischen Europa, Nordamerika und Ostasien durch die zentrale Arktis ermöglichen.
Die Expedition Polar Connect 2026 fand vom 24. Juli bis 10. August statt. Wie das Schwedische Polarforschungssekretariat berichtet, kartierte die Oden mögliche Kabelkorridore mit Mehrstrahl-Echolot und führte geophysikalische sowie ozeanografische Messungen durch. Besonders untersucht wurden schwierige Abschnitte am Gakkelrücken, wo unter anderem unterseeische Vulkane entdeckt und kartiert wurden.
Ziel von Polar Connect ist eine sichere und leistungsfähige Datenverbindung quer durch den Arktischen Ozean. Die Route könnte eine Alternative zu bestehenden, stark genutzten Kabelwegen zwischen Europa und Asien schaffen. Gleichzeitig wird untersucht, ob das Glasfaserkabel künftig auch als Sensor für ozeanografische, klimatische und geophysikalische Beobachtungen dienen könnte.
Die technischen Herausforderungen sind erheblich. Neben der Beschaffenheit des Meeresbodens müssen die Planer berücksichtigen, wie ein Kabel unter permanentem Meereis verlegt, gewartet und im Schadensfall repariert werden kann. Fachleute für Kabeltechnik, Geologie, Eisnavigation und Schiffsoperationen arbeiteten deshalb während der Expedition gemeinsam an möglichen Lösungen.
Nach Abschluss von Polar Connect begann die Oden eine weitere schwedisch-kanadische Arktisexpedition. Am 3. September endeten die gemeinsamen Arbeiten mit der kanadischen CCGS Louis S. St-Laurent am Alpha Ridge. Die Oden setzt ihre Fahrt nun allein Richtung Longyearbyen fort.
Damit könnte der schwedische Eisbrecher Grundlagen für eine Infrastruktur liefern, die bislang noch Zukunftsmusik ist: eine digitale Datenautobahn quer durch den Arktischen Ozean.
Heiner Kubny, PolarJournal

