Island steht vor einer historischen Wende beim Walfang. Die Regierung will den kommerziellen Fang von Walen dauerhaft verbieten und im Februar 2027 einen entsprechenden Gesetzentwurf ins Parlament einbringen. Damit könnte eine jahrzehntelange Tradition zu Ende gehen.
Die Ankündigung kommt mitten in der laufenden Walfangsaison. Nachdem zwei Jahre lang keine Wale gefangen worden waren, nahm Islands einziges verbliebenes Walfangunternehmen Hvalur hf. die Jagd im Juni 2026 wieder auf. Bis zum 9. September wurden 80 Finnwale getötet. Für dieses Jahr dürfen maximal 150 Finnwale gefangen werden.
Die Entscheidung der Regierung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Hvalur erst Ende 2024 eine fünf Jahre gültige Fanglizenz erhalten hatte. Nun soll die gesetzliche Grundlage grundsätzlich geändert werden. Die Regierung verfügt im Parlament über eine eigene Mehrheit, weshalb die Chancen für ein Verbot als gut gelten.
Finnwale im Mittelpunkt
Hauptziel der isländischen Walfänger sind Finnwale, nach dem Blauwal die zweitgrößten Tiere der Erde. Der kommerzielle Walfang ist in Island seit Jahren umstritten. Neben Fragen des Artenschutzes spielt zunehmend auch das Tierwohl eine Rolle. Untersuchungen hatten gezeigt, dass mit Harpunen getroffene Wale teilweise erst nach längerer Zeit sterben.
Island hatte den kommerziellen Walfang 2006 wieder aufgenommen, nachdem 1986 das internationale Moratorium der Internationalen Walfangkommission in Kraft getreten war.
Sollte das geplante Gesetz verabschiedet werden, würden von den Ländern, die in den vergangenen Jahren kommerziellen Walfang betrieben haben, nur noch Norwegen und Japan übrig bleiben. Der traditionelle Subsistenzwalfang indigener Gemeinschaften, etwa in Grönland und Alaska, ist davon nicht betroffen.
Für Island könnte damit bereits 2026 die letzte Saison des kommerziellen Walfangs gewesen sein.
Rosamaria Kubny, PolarJournal

