Grönlands «Dark Zone» beschleunigt die Eisschmelze

von Rosamaria Kubny
10/14/2026

Die dunkel verfärbte Eisoberfläche am Rand des grönländischen Eisschildes. Ablagerungen und Gletschereisalgen verringern die Rückstrahlung des Eises und können dadurch die sommerliche Schmelze zusätzlich verstärken. (Foto: Rosamaria Kubny)

Jeden Sommer entsteht am Südwestrand des grönländischen Eisschildes eine riesige dunkle Zone. Eine neue Studie zeigt, welche Prozesse das Eis verdunkeln und dadurch seine Schmelze zusätzlich verstärken.

Die sogenannte „Dark Zone“ kann sich über Tausende Quadratkilometer erstrecken. Weil dunkles Eis weniger Sonnenlicht reflektiert als helles, nimmt es mehr Energie auf und schmilzt schneller.

Ein internationales Forschungsteam um Lou-Anne Chevrollier von der Universität Aarhus kombinierte Feldmessungen mit Laboranalysen, Satellitenbildern und Modellen. Die Ergebnisse wurden in Science Advances veröffentlicht.

Schmelzwasser hat auf der stark zerklüfteten Oberfläche des grönländischen Eisschildes zahlreiche Rinnen und kleine Abflusswege geschaffen. Die dunkle Färbung macht sichtbar, wie stark sich das Erscheinungsbild des Eises während der sommerlichen Schmelzsaison verändern kann. (Foto: Rosamaria Kubny)

Algen verstärken die Verdunkelung

Die Forschenden zeigen, dass nicht gewöhnlicher Mineralstaub die wichtigste Ursache ist. Eine entscheidende Rolle spielen Kryokonit, dunkles Material aus mineralischen und organischen Bestandteilen, sowie Veränderungen der Eisoberfläche. Im Laufe des Sommers kommen dunkel pigmentierte Gletschereisalgen hinzu.

Diese Algen absorbieren Sonnenstrahlung und verringern damit die Rückstrahlung des Eises weiter. Die Oberfläche erwärmt sich stärker und zusätzliche Schmelze wird begünstigt.

Mit steigenden Temperaturen könnten künftig größere Bereiche des Eisschildes im Sommer schneefrei werden. Dadurch könnten sich auch die verdunkelnden Prozesse weiter ausbreiten.

Die „Dark Zone“ ist damit mehr als eine auffällige Verfärbung: Sie könnte den zukünftigen Eisverlust Grönlands zusätzlich verstärken und muss deshalb in Prognosen zur Entwicklung des Eisschildes genauer berücksichtigt werden.

Rosamaria Kubny, PolarJournal