Der Grönlandhai kann mehrere Jahrhunderte alt werden und gehört zu den geheimnisvollsten Bewohnern der Arktis. Eine neue Studie zeigt nun, dass die Tiere den unbeabsichtigten Fang an Langleinen erstaunlich gut verkraften können, sofern sie anschließend schonend freigelassen werden.
Grönlandhaie (Somniosus microcephalus) wachsen extrem langsam und erreichen erst spät die Geschlechtsreife. Umso problematischer ist der Beifang, etwa bei der Fischerei auf Schwarzen Heilbutt in arktischen Gewässern.
Ein Forschungsteam um Yuuki Watanabe untersuchte deshalb zwölf Grönlandhaie in abgelegenen Fjorden der kanadischen Arktis. Den Tieren wurden Blutproben entnommen und Sender angebracht, bevor sie wieder freigelassen wurden. So konnten die Forschenden sowohl die körperliche Stressreaktion als auch das Verhalten nach dem Fang verfolgen.
Überraschenderweise zeigten die Haie vergleichsweise geringe Stressreaktionen. Nach ihrer Freilassung schwammen sie zunächst schneller als gewöhnlich, doch nach etwa zehn Stunden hatte sich ihr Verhalten wieder normalisiert. Die Überlebensrate lag in den ersten 30 Tagen bei mindestens 90 Prozent.
Eine Erklärung könnte die ungewöhnlich ruhige Lebensweise der Grönlandhaie sein. Sie kämpfen offenbar weniger stark gegen den Haken als viele andere Haiarten und verbrauchen dadurch weniger Energie. Auch die niedrigen Temperaturen der arktischen Gewässer könnten die Belastung reduzieren.
Ungefährlich ist Beifang dennoch nicht. Aufgrund des extrem langsamen Wachstums können zusätzliche Verluste für die Population schwer wiegen. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass eine schnelle und schonende Freilassung die Überlebenschancen dieser außergewöhnlich langlebigen Bewohner der Arktis deutlich verbessern kann.
Heiner Kubny PolarJournal

