Die Spannungen zwischen den USA, Russland und China haben sich deutlich auf die Arktis ausgeweitet. Das geht aus der aktuellen Risikoanalyse des dänischen Militär-Nachrichtendienstes hervor. Die Region verliere damit ihre frühere Rolle als vergleichsweise stabiler Raum und werde zunehmend Teil des globalen Machtwettbewerbs.
Laut dem Bericht wächst die strategische Bedeutung der Arktis mit der Zuspitzung des Konflikts zwischen Russland und dem Westen. Besonders relevant ist die Region aus militärischer Sicht, da im Falle eines Großmachtkonflikts ein Großteil der ballistischen Raketen über die Arktis fliegen würde.
Russland gilt weiterhin als militärisch stärkste Kraft in der Region. Moskau hat seine Präsenz dort seit Jahren ausgebaut und einen Großteil seiner Atom-U-Boote in arktischen Stützpunkten stationiert. Trotz des Krieges in der Ukraine seien Russlands Fähigkeiten weitgehend intakt. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die sogenannte GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island, den Färöern und Großbritannien, die Russland systematisch überwacht.
Auch die USA verstärken ihre militärischen Aktivitäten. Für Washington ist die Arktis eine zentrale Frühwarnzone, unter anderem durch Radaranlagen auf der Weltraumbasis Pituffik. Erstmals werden die Vereinigten Staaten im Bericht jedoch auch kritisch erwähnt, da sie ihre wirtschaftliche und technologische Macht zunehmend als Druckmittel gegenüber Partnern einsetzen.
China verfügt bislang über keine militärische Präsenz in der Arktis, verfolgt jedoch langfristige Pläne. Innerhalb der nächsten Jahre will Peking in der Lage sein, mit Kriegs- und U-Booten in der Region zu operieren und langfristig eine nukleare Abschreckungsfähigkeit unter dem Eis zu erlangen.
Kritik übt der Geheimdienst zudem an Russlands Umgang mit Umwelt- und Indigenenfragen. Demnach würden ökologische Risiken und die Rechte indigener Völker bei der Durchsetzung strategischer Interessen weitgehend vernachlässigt.
Heiner Kubny, PolarJournal

