Wann eskaliert der Streit um Grönland?

von Heiner Kubny
01/07/2026

Donald Trump – Spiel mit dem Feuer! Was kommt nach Venezuela? (Foto: Unsplash)

Noch wirkt die Lage ruhig. Noch gilt es als unwahrscheinlich, dass die USA in naher Zukunft die Kontrolle über Grönland erlangen. Eine entschlossene, bislang geschlossene Haltung der dänischen und grönländischen Regierungen, gestützt von verbündeten Staaten, hat die amerikanischen Ambitionen in der Arktis ausgebremst. Doch unter der scheinbar stabilen Oberfläche beginnen Risse sichtbar zu werden.

Grönland hat etwa 56.000 Einwohner. Die Einwohnerzahl ist seit den 1990er Jahren stabil, nachdem sie sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts etwa verfünffacht hatte. (Foto: Heiner Kubny)

Die winterliche Stille in Kopenhagen und Nuuk wurde jäh unterbrochen, als Donald Trump den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zum Sonderbeauftragten für Grönland ernannte. Landry solle dort „die Führung übernehmen“. In Dänemark wie in Grönland löste diese Formulierung Irritation und Unbehagen aus. Sie klang weniger nach Diplomatie als nach Besitzanspruch und weckte Erinnerungen an Trumps frühere, offen geäußerte Kaufabsichten. Die Botschaft war unmissverständlich: Washington meint es weiterhin ernst.

Gleichzeitig gerät der innere Zusammenhalt des dänischen Königreichs unter Druck. Die Parlamentswahlen im kommenden Jahr sind unberechenbar. Sollte sich der Trend der jüngsten Kommunalwahlen fortsetzen, drohen den Sozialdemokraten deutliche Verluste. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, bislang eine feste Größe auf der europäischen Bühne, könnte politisch entmachtet werden. Was geschieht, wenn an ihrer Stelle eine weniger erfahrene Regierung steht, konfrontiert mit einem Trump, der Kompromisse verachtet und Stärke demonstrieren will?

Neben dem Fischfang spielt der Tourismus eine bedeutende Rolle in der grönländischen Wirtschaft. (Foto: Heiner Kubny)

Auch in Grönland selbst wächst die Unsicherheit. Die Amerika-freundlichere Partei Naleraq gewinnt an Zulauf. Noch sitzt sie in der Opposition, doch was, wenn die fragile Regierungskoalition zerbricht? Was, wenn Naleraq zur stärksten Kraft wird und eine Annäherung an die USA politisch salonfähig macht? Für viele Grönländerinnen und Grönländer steht dabei mehr auf dem Spiel als geopolitische Strategie: Es geht um Identität, Selbstbestimmung und die Angst, zwischen Großmächten zerrieben zu werden.

Sicher ist nur eines: Die Beharrlichkeit der USA lässt keinen Zweifel daran, dass Grönland für sie von zentraler Bedeutung bleibt. Ob aus angeblichen Sicherheitsbedenken in der Arktis oder aus dem persönlichen Wunsch Trumps, sich einen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern. Der Druck wird nicht nachlassen. Die eigentliche Frage lautet daher nicht mehr, ob der Konflikt eskaliert, sondern wann, und wer am Ende den Preis dafür bezahlt.

Heiner Kubny, PolarJournal