Die russische Regierung hat Mittel für die Bergung der gesunkenen sowjetischen Atom-U-Boote K-27 und K-159 in den Entwurf des Bundeshaushalts für die Jahre 2026 bis 2028 aufgenommen. Das geht aus Angaben des staatlichen Atomkonzerns Rosatom hervor. Die Vorbereitungen für die Arbeiten sollen 2026 beginnen, die eigentliche Bergung ist ab 2027 geplant.
Nach Angaben des Rosatom-Pressedienstes sieht der Haushaltsentwurf ab 2027 Finanzmittel für die „Sanierung der arktischen Meere von versunkenen und überfluteten strahlengefährlichen Anlagen“ vor. Bereits 2026 sollen erste vorbereitende Maßnahmen anlaufen. Zur konkreten Höhe der vorgesehenen Mittel äußerte sich Rosatom nicht. Das Finanzministerium lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, dass dieser Haushaltsteil nicht öffentlich ausgewiesen werde.
Aus der erläuternden Begründung zum Haushaltsentwurf geht hervor, dass das staatliche Programm „Entwicklung des kerntechnischen Industriekomplexes“ für den Zeitraum von drei Jahren mit insgesamt 283,4 Milliarden Rubel (2’9 Milliarden Euro) ausgestattet werden soll. Innerhalb dieses Programms ist ein Maßnahmenpaket zur sicheren Handhabung radioaktiver Abfälle sowie zur Erhaltung und Entsorgung nuklearer Altlasten vorgesehen. Dafür sind 10,5 Milliarden Rubel im Jahr 2026, 10,7 Milliarden Rubel 2027 und 10,6 Milliarden Rubel 2028 eingeplant.
Altlasten aus der Sowjetzeit
Die U-Boote K-27 und K-159 gehören zu insgesamt sieben sowjetischen und russischen Atom-U-Booten, die in verschiedenen Jahren in den Weltmeeren gesunken sind. Weltweit gelten damit neun Atom-U-Boote, einschließlich zweier US-amerikanischer, als gesunken.
Die K-27 wurde als einziges Boot des Projekts 645 mit einem Reaktor gebaut, der flüssiges Metall als Kühlmittel nutzte, eine Blei-Bismut-Legierung. Das U-Boot trat 1963 in Dienst und galt seinerzeit als technologisch fortschrittlich. Nach einem schweren Reaktorunfall im Jahr 1968, bei dem alle Besatzungsmitglieder Strahlung ausgesetzt wurden und neun Seeleute starben, wurde das Boot außer Dienst gestellt. Mangels geeigneter Entsorgungsmöglichkeiten wurde die K-27 1981 im Karasee nahe Nowaja Semlja in rund 75 Metern Tiefe versenkt.
Die K-159, ein Vertreter der ersten Serie sowjetischer Atom-U-Boote mit Druckwasserreaktor, war ebenfalls seit 1963 im Einsatz. Nach ihrer Außerdienststellung sank sie 2003 während des Schlepps zur Verschrottung nahe der Insel Kildin in der Barentssee.
Dringlichkeit wächst
Vertreter staatlicher Stellen weisen seit Jahren auf die Notwendigkeit hin, beide Wracks zu bergen. Ein zentrales Risiko ist die fortschreitende Korrosion der Rümpfe, die die strukturelle Stabilität der Boote weiter schwächt. Fachleute warnen, dass eine spätere Bergung technisch immer schwieriger und riskanter werden könnte. Rosatom hatte die Kosten der Bergung bereits 2021 auf rund 24,4 Milliarden Rubel geschätzt.
Mit der Aufnahme entsprechender Mittel in den Haushaltsentwurf rückt die lange diskutierte Bergung nun erstmals in einen konkreten zeitlichen Rahmen. Ob die geplanten Maßnahmen tatsächlich wie vorgesehen umgesetzt werden, dürfte jedoch auch von technischen und finanziellen Details abhängen, die bislang nicht öffentlich gemacht wurden.
Heiner Kubny, PolarJournal

