Umwelt- und Klimaprobleme in der Arktis

von Heiner Kubny
01/19/2026

Hohe Konzentrationen von freigesetztem Quecksilber können die Gehirnfunktion und -entwicklung beeinträchtigen, besonders bei Kindern und Jugendlichen. (Foto: Rosamaria Kubny)

Auftauender Permafrost setzt gefährliches Quecksilber frei

Die Arktis erwärmt sich schneller als jede andere Region der Erde, mit gravierenden Folgen für Umwelt und Gesundheit. Norwegische Wissenschaftler warnen, dass der rasante Temperaturanstieg, der den globalen Durchschnitt um etwa das Vierfache übersteigt, große Mengen von im Permafrost gebundenem Quecksilber freisetzen könnte. Darunter befindet sich auch Methylquecksilber, eine der giftigsten Formen dieses Schwermetalls.

Methylquecksilber gilt als starkes Nervengift für Tiere und Menschen und ist sogar gefährlicher als elementares Quecksilber. Hohe Konzentrationen können die Gehirnfunktion beeinträchtigen, besonders bei Kindern. Wie ernst die Gefahr ist, zeigte sich 2023 in einer indigenen Gemeinde im Norden Kanadas. Dort wurde ein direkter Zusammenhang zwischen psychischen Problemen, hohen Suizidraten und dem regelmäßigen Verzehr von quecksilberbelastetem Fisch nachgewiesen.

Typischer Permafrost-Boden in Spitzbergen. (Foto: Rosamaria Kubny)

Zwar haben seit Anfang der 2000er Jahre internationale Regeln, Verbote und Vorschriften dazu beigetragen, die vom Menschen verursachte Quecksilberbelastung deutlich zu senken. Doch gegen eine neue, klimabedingte Quelle sind diese Maßnahmen machtlos. Für das Quecksilber, das durch das Auftauen des Permafrosts freigesetzt wird, existieren bislang keine wirksamen Gegenstrategien.

Natürliche Quecksilberquellen sind vor allem quecksilberhaltige Gesteine. Durch Prozesse wie Vulkanismus oder die Verwitterung von Gestein gelangt das Metall in die Umwelt, wird über große Entfernungen transportiert und reichert sich in Ökosystemen an. Bindet es sich an organischen Kohlenstoff, entsteht Methylquecksilber, das sich besonders leicht in Nahrungsketten anreichert. Permafrost wirkt dabei wie ein riesiger Gefrierschrank: Er konserviert Pflanzen- und Tierreste, auch bereits kontaminierte, ebenso wie Quecksilber und seine Verbindungen über Jahrtausende.

Durch das Auftauen von Permafrost entstehet eine farbige Blumenpracht, Sumpfgebiete und Tümpel. (Foto: Rosamaria Kubny)

Lange Zeit gingen Forschende davon aus, dass beim Auftauen von Permafrost etwa 40 Kilogramm Quecksilber pro Quadratkilometer freigesetzt werden. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie der University of Southern California kommt jedoch zu einem alarmierenden Ergebnis. Tatsächlich könnten es rund 86 Kilogramm pro Quadratkilometer sein, mehr als doppelt so viel wie bisher angenommen.

„Permafrostböden enthalten mehr Quecksilber als alle anderen Böden auf dem Planeten zusammen, plus alle Ozeane und sogar die Atmosphäre“, warnt Josh West, Professor für Geowissenschaften und Umweltstudien an der University of Southern California. Seine Aussage macht deutlich, welches Risiko im schleichenden Verlust des Permafrosts steckt.

Das Auftauen der arktischen Böden ist damit nicht nur ein Symbol für den Klimawandel, sondern auch eine konkrete Bedrohung für Mensch und Natur. Ohne globale Anstrengungen zur Begrenzung der Erderwärmung könnte das im Eis eingeschlossene Quecksilber zu einem langfristigen Umwelt- und Gesundheitsproblem von weltweiter Bedeutung werden.

Heiner Kubny, PolarJournal