Fast zwei Jahrzehnte lang blieben sie verschwunden, nun sind ihre Positionen bekannt: Wissenschaftler des Schirschow-Institut für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften haben während einer Expedition mit dem Forschungsschiff Akademik Ioffe in der Barents- und Karasee versunkene Schiffe mit radioaktiven Abfällen lokalisiert. Die Mission erfolgte gemeinsam mit dem Kurtschatow-Institut.
Im Fokus stand ein sensibles Kapitel sowjetischer Entsorgungsgeschichte. In der Techenij-Bucht auf Nowaja Semlja wurden in den 1980er Jahren 146 Behälter mit festen radioaktiven Abfällen sowie der Lastkahn „Likhter-4“ versenkt.
Der Lastkahn transportierte auch zwei Reaktorabteile des sowjetischen Atom-U-Bootes K-22, deren Brennstoff zuvor mit Blei ummantelt worden war. Auch hier hatten frühere Expeditionen an den archivierten Koordinaten keine entsprechenden Funde gemacht.
Ausgehend von der Hypothese, dass sich die tatsächlichen Versenkungsorte geringfügig von den Archivangaben unterschieden, entwickelten die Forscher ein spezielles Suchroutensystem. Zunächst wurden Ansammlungen von Abfallbehältern entdeckt, schließlich auch das mutmaßliche Wrack des Lastkahns.
Brisant ist die Frage nach der Umweltgefahr. Nach Angaben der Forscher zeigen aktuelle Strahlungsmessungen jedoch, dass die Schutzbarrieren intakt sind und keine erhöhte radioaktive Belastung des Meerwassers festgestellt wurde.
Die Entdeckungen werfen dennoch ein Schlaglicht auf das Ausmaß der in der Arktis versenkten Altlasten und auf die langfristige Verantwortung im Umgang mit nuklearem Erbe.
Heiner Kubny, PolarJournal

