Svalbard führt verpflichtende Zertifizierung für Arktis-Guides ein

von Léa Zinsli
04/20/2026

Ab 2027 müssen Guides außerhalb der Siedlungen auf Svalbard im Rahmen eines neuen Zertifizierungssystems offiziell zugelassen sein.
Informationsveranstaltung auf Svalbard

Svalbard führt ein neues, formelles Zertifizierungssystem für Guides ein und vollzieht damit einen Wandel in der Regulierung von Tourismus und Sicherheit in abgelegenen Polargebieten. Auf Grundlage neuer Vorschriften zur Feldsicherheit, die 2026 in Kraft treten, müssen Guides, die außerhalb der Siedlungen im Einsatz sind, ab dem 1. Juli 2027 eine offizielle Zulassung durch die Behörden vorweisen. Damit wird ein Beruf reguliert, der bislang vor allem auf Erfahrung und informellen Qualifikationen beruhte.

Die Änderungen reagieren auf die zunehmende touristische Aktivität in den entlegenen Regionen Svalbards in den vergangenen Jahren. Norwegische Behörden sehen daher die Notwendigkeit einheitlicherer Sicherheitsstandards in einem Hochrisikogebiet, das von extremen Wetterbedingungen, anspruchsvollem Gelände und der Präsenz von Eisbären geprägt ist und zugleich den Schutz empfindlicher Ökosysteme erfordert.

Das neue System definiert Kompetenzanforderungen in Bereichen wie Risikobewertung, Notfallmanagement, Umweltwissen und Eisbärensicherheit. Die Zertifizierung ist zeitlich befristet und muss regelmäßig erneuert werden. Eine Übergangsregelung ermöglicht es Guides, die in den vergangenen drei Jahren mindestens 1500 Stunden Tätigkeit nachweisen können, einen Antrag auf Zertifizierung zu stellen, ohne das vollständige Ausbildungsprogramm durchlaufen zu müssen. Die Frist hierfür endet am 1. Januar 2027.

Guiding in der abgelegenen Umgebung von Svalbard

Das Ausbildungssystem kombiniert Online- und Praxiselemente und berücksichtigt auch vorhandene Erfahrung sowie relevante Kurse außerhalb Svalbards. Zudem wird zwischen Sommer- und Winterzertifizierungen unterschieden, abhängig von saisonaler Erfahrung und Art der Aktivitäten.

Im Vergleich zu anderen Polarregionen zeichnet sich der Ansatz Svalbards durch seinen zentralisierten und verpflichtenden Charakter aus. In Grönland, Island und Teilen der kanadischen Arktis wird der Tourismus weitgehend über die Verantwortung der Anbieter und brancheninterne Richtlinien geregelt, insbesondere durch die Association of Arctic Expedition Cruise Operators (AECO), anstatt durch staatliche Zertifizierung einzelner Guides. In der Antarktis gilt ein ähnliches Modell unter der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO), die geschultes Personal und strenge Verfahren vorschreibt, jedoch keine offiziellen Guide-Lizenzen vergibt.

Einige Branchenvertreter haben praktische Fragen zur Umsetzung aufgeworfen, etwa hinsichtlich Zeitplänen und Ausbildungskapazitäten. Das neue Modell in Svalbard könnte auf eine breitere Entwicklung hinweisen, bei der Guiding in Hochrisikogebieten stärker reguliert wird.

Léa Zinsli, PolarJournal