Drohnenproben enthüllen Virus bei Walen in der Arktis
Ein Virus, das schwere Erkrankungen bei Meeressäugern verursachen kann, ist erstmals bei Walen in arktischen Gewässern nachgewiesen worden. Dies weist auf mögliche neue Gesundheitsrisiken in einer sich rasch verändernden Umwelt hin.
In einer aktuellen Studie, veröffentlicht in BMC Veterinary Research, identifizierten Forschende das Cetacean Morbillivirus bei Buckelwalen, einem Pottwal sowie einem gestrandeten Grindwal in Nordnorwegen. Das Virus gehört zur gleichen Gattung wie das Masernvirus beim Menschen und wurde bereits zuvor mit Massensterben von Delfinen und Walen weltweit in Verbindung gebracht, war jedoch bislang nicht nördlich des Polarkreises nachgewiesen worden.
Die Studie, die zwischen 2016 und 2025 durchgeführt wurde, nutzte minimalinvasive Methoden, um freilebende Wale im gesamten Nordostatlantik zu untersuchen, darunter in Nordnorwegen, Island und auf den Kapverden. Dabei sammelten die Forschenden mithilfe von Drohnen Blow-Proben (ausgeatmete Atemluft) sowie Hautbiopsien.
Dieser Ansatz ermöglicht den Nachweis von Krankheitserregern bei lebenden Tieren und ergänzt herkömmliche Untersuchungen gestrandeter Individuen, die oft durch Verwesung und geringe Fundraten eingeschränkt sind. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial drohnengestützter Probenahme für die Überwachung von Krankheiten bei wildlebenden Walen.
Das Virus wurde in zwei Gruppen scheinbar gesunder Buckelwale nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass Infektionen auch symptomlos verlaufen können. Im Gegensatz dazu zeigten ein Pottwal und ein gestrandeter Grindwal, die positiv getestet wurden, deutliche gesundheitliche Auffälligkeiten, darunter Hautveränderungen, Parasitenbefall und auffälliges Verhalten.
Es ist bekannt, dass Morbilliviren das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Sekundärinfektionen erhöhen. Zudem wurden bei mehreren Buckelwalgruppen Herpesviren nachgewiesen, darunter auch Fälle von Ko-Infektionen.
Allerdings ist bislang unklar, ob das Virus die Hauptursache der Erkrankungen war, dazu beigetragen hat oder lediglich ohne schwerwiegende Auswirkungen vorhanden war.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das bisherige Ausbleiben von Nachweisen in der Arktis eher auf begrenzte Untersuchungen als auf ein tatsächliches Fehlen des Virus zurückzuführen ist. Wandernde Arten, die zwischen tropischen Fortpflanzungsgebieten und arktischen Nahrungsgründen wechseln, könnten die Verbreitung über große Distanzen begünstigen.
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Monitorings, da Umweltveränderungen und menschliche Aktivitäten den Druck auf arktische Meeresökosysteme weiter erhöhen.
Léa Zinsli, PolarJournal

