Neue Nashornart in der Hocharktis entdeckt

von Rosamaria Kubny
04/16/2026

Epiatheracerium itjilik ist eine neu definierte Art aus dem frühen Miozän mit einem Alter von etwa 23 Millionen Jahren.

Das Canadian Museum of Nature gibt die Identifizierung einer bislang unbekannten, ausgestorbenen Nashornart aus der Hocharktis bekannt. Das außergewöhnlich gut erhaltene fossile Skelett wurde in Sedimenten eines ehemaligen Sees am Haughton-Krater auf Devon Island (Nunavut, Kanada) entdeckt und stellt die nördlichste bislang dokumentierte Nashornart dar.

Die neu beschriebene Art, Epiatheracerium itjilik, datiert in das frühe Miozän vor etwa 23 Millionen Jahren. Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution veröffentlicht.

einem sandigen Untergrund liegen. Etwa 75% der Knochen des Tieres wurden geborgen, darunter diagnostische Teile wie Zähne, Unterkiefer und Schädelfragmente. (Foto: Pierre Poirier, Canadian Museum of Nature)

„Diese Entdeckung liefert wesentliche neue Erkenntnisse zur evolutionären Entwicklung und biogeografischen Verbreitung der Nashörner“, erklärt die leitende Autorin Danielle Fraser. „Insbesondere weist sie darauf hin, dass die arktischen Regionen eine bedeutendere Rolle in der Evolutionsgeschichte dieser Tiergruppe gespielt haben als bislang angenommen.“

Das Fossil zeichnet sich durch einen außergewöhnlichen Erhaltungszustand aus; etwa 75% des Skeletts konnten geborgen werden. Erste Funde wurden bereits 1986 durch die Paläontologin Mary Dawson gemacht. Weitere Untersuchungen und ergänzende Entdeckungen erfolgten im Rahmen späterer Expeditionen unter Leitung von Natalia Rybczynski sowie unter Mitwirkung von Marisa Gilbert.

Die verstorbene Paläontologin Mary Dawson (rechts) entdeckte Mitte der 1980er Jahre viele der versteinerten Überreste. Sie und Forscherinnen wie Natalia Rybczynski (links) kehrten immer wieder zu der Fundstelle zurück, um weitere Skelettteile des Tieres auszugraben. (Foto: Martin Lipman, Canadian Museum of Nature)

Die Analyse der fossilen Daten legt nahe, dass Nashörner möglicherweise über die North Atlantic Land Bridge zwischen Europa und Nordamerika migrierten, und dass diese Verbindung länger aktiv gewesen sein könnte als bisher angenommen.

Darüber hinaus gelang es im Jahr 2025, teilweise erhaltene Proteine aus dem Zahnschmelz des Fossils zu extrahieren. Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Erforschung früher Biomoleküle und tragen zu einem vertieften Verständnis der Säugetierevolution bei.

Die Bezeichnung „itjilik“, abgeleitet aus dem Inuktitut und mit „frostig“ zu übersetzen, verweist auf die arktische Herkunft der Art und wurde in Zusammenarbeit mit einem Inuit-Ältesten vergeben.

Die Entdeckung unterstreicht die wissenschaftliche Bedeutung der Arktis als Schlüsselregion für paläontologische Forschung. Das Fossil wird derzeit in der Sammlung des Canadian Museum of Nature aufbewahrt.

Rosamaria Kubny, PolarJournal