Russlands LNG-Projekte unter Sanktionen

von Heiner Kubny
04/26/2026

Yamal-LNG-Anlagen in Sabetta. (Foto: Novatek)

Die Arktis ist aufgrund ihrer großen Rohstoffvorkommen, insbesondere von Erdgas, von wachsender internationaler Bedeutung. Russland spielt dabei eine zentrale Rolle, vor allem durch seine Projekte zur Förderung von Flüssigerdgas (LNG). Seit 2022 haben westliche Sanktionen jedoch erhebliche Auswirkungen auf diese Aktivitäten und die wirtschaftliche Lage russischer Unternehmen.

Das Unternehmen Novatek verzeichnete im Jahr 2025 einen starken Rückgang seines Gewinns. Dieser sank von 493 Milliarden Rubel im Jahr 2024 auf 183 Milliarden Rubel, was einem Minus von über 60 Prozent entspricht. Dies geschah, obwohl die Produktion von Kohlenwasserstoffen leicht um etwa ein Prozent gestiegen ist. Der Gewinnrückgang ist daher vor allem auf äußere Faktoren zurückzuführen.

Der LNG-Frachter Christophe de Margerie durchquert die eisige Nordostpassage. Aufgrund internationaler Sanktionen und fehlender Ersatzteile aus europäischen Werften war das LNG-Frachter über längere Zeit außer Betrieb. (Foto: Sovcomflot)

Eine wichtige Ursache sind die Sanktionen westlicher Staaten, die besonders das Projekt Arctic LNG 2 betreffen. Aufgrund der Einschränkungen kann das Projekt nur mit verringerter Kapazität arbeiten. Zudem ist Russland gezwungen, sein Gas mit Preisabschlägen von 30 bis 40 Prozent, vor allem nach China, zu verkaufen. Auch der Transport ist komplizierter geworden, da häufig alternative Methoden wie Schiff-zu-Schiff-Umladungen und spezielle Flotten genutzt werden müssen, was die Kosten erhöht.

In Zukunft ist mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen zu rechnen. Die Europäische Union plant ein vollständiges Importverbot für russisches Flüssigerdgas nach Ablauf einer Übergangsphase. Zusätzlich könnten neue Einschränkungen im Bereich von Transport, Versicherung und Wartung von Schiffen den Druck weiter erhöhen. Dadurch werden längere Transportwege notwendig, was die Kosten weiter steigen lässt.

Auch internationale Unternehmen sind von dieser Entwicklung betroffen. Der französische Energiekonzern TotalEnergies hält Anteile an russischen LNG-Projekten, darunter am Projekt Yamal LNG. Unternehmenschef Patrick Pouyanné erklärte, dass eine Umleitung von Lieferungen auf andere Märkte möglich wäre, falls sich das EU-Verbot nur auf Europa beschränken sollte. Die Europäische Kommission stellte jedoch klar, dass europäische Unternehmen nicht berechtigt sein werden, solche Lieferungen in andere Länder umzuleiten.

Insgesamt zeigen die Entwicklungen, dass die Sanktionen erhebliche wirtschaftliche Folgen für Russland und seine Energieprojekte in der Arktis haben. Trotz stabiler Produktionszahlen führen erschwerte Handelsbedingungen, sinkende Preise und steigende Kosten zu deutlichen Gewinneinbußen und einer angespannten Lage in der Region.

Heiner Kubny, PolarJournal