Nach einer Unterbrechung von fast drei Jahrzehnten wurden die direkten Passagierreisen zwischen der russischen Hafenstadt Murmansk und dem norwegischen Archipel Spitzbergen wieder aufgenommen. Die erste Fahrt des Forschungsschiffs «Professor Molchanov» im Jahr 2026 startete am 8. März, nachdem sich die Abfahrt wegen eines schweren Sturms um mehrere Tage verzögert hatte. Ursprünglich war die Abreise bereits für den 4. März vorgesehen gewesen. Derzeit ist die «Professor Molchanov» das einzige Schiff, das Russland mit Spitzbergen verbindet.
Organisiert werden die Transporte vom russischen Staatsunternehmen Arktikugol. Hauptaufgabe der Fahrten ist der Transport von Mitarbeitern, deren Familienangehörigen, Wissenschaftlern und Auftragnehmern sowie die Versorgung der russischen Siedlungen auf Spitzbergen. Gleichzeitig gewinnen die Reisen zunehmend auch touristische Bedeutung.
Bereits im Jahr 2025 wurde der direkte Schiffsverkehr zwischen Murmansk und der russischen Bergarbeitersiedlung Barentsburg nach 27 Jahren wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr absolvierte die «Professor Molchanov» insgesamt fünf Fahrten. Für das Jahr 2026 ist geplant, die Zahl der Reisen auf zehn zu erhöhen.
Der regelmäßige Passagierverkehr zwischen Murmansk und Barentsburg war Ende der 1990er Jahre eingestellt worden. Hintergrund war die Schließung der Mine in der Siedlung Pyramiden durch Arktikugol im Jahr 1998, nachdem der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr rentabel gewesen war. Während Pyramiden aufgegeben wurde, blieb die Mine in Barentsburg weiterhin in Betrieb, sodass die Siedlung erhalten blieb.
Neben der Versorgung der russischen Gemeinden bemüht sich Arktikugol verstärkt um den Ausbau des Tourismus auf Spitzbergen. Während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 wurden die Flugverbindungen zwischen Russland und Spitzbergen eingestellt. Später führten internationale Sanktionen zu weiteren Einschränkungen, wodurch der Seeweg zusätzliche Bedeutung gewann.
Die Touristen an Bord der «Professor Molchanov» erwartet nach ihrer Ankunft auf dem Archipel ein umfangreiches Programm. Geplant sind Bootsfahrten entlang der Fjorde zu Gletschern und Vogelkolonien sowie Besuche der russischen Siedlungen Barentsburg, Pyramiden, Grumant und Colesbukta. Auch ein Aufenthalt in Longyearbyen, der norwegischen Hauptstadt Spitzbergens, gehört zum Reiseprogramm.
Die direkten visafreien Seereisen zwischen Murmansk und Spitzbergen wurden gemeinsam vom Arktikugol-Trust und der Gesellschaft „Morskaya Praktika“ organisiert. Das Projekt entstand im Auftrag des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation und bevollmächtigten Vertreters des Präsidenten im Fernöstlichen Föderationskreis, Juri Trutnew. Unterstützt wurde die Initiative vom Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens und der Arktis, der Föderalen Staatlichen Haushaltsinstitution „Nördliche UGMS“ sowie der Regierung der Region Murmansk.
Heiner Kubny, PolarJournal

