Glasfaserkabel soll Antarktis mit der Welt verbinden

von Heiner Kubny
09/10/2026

Die chilenische Forschungs- und Logistiksiedlung rund um die Base Presidente Eduardo Frei Montalva auf King George Island. Die Insel gilt als möglicher Endpunkt einer künftigen Glasfaserverbindung zwischen Südamerika und der Antarktis. (Foto: Mefisto29 / Wikimedia Commons)

Die Antarktis könnte erstmals über ein Untersee-Glasfaserkabel direkt mit dem weltweiten Datennetz verbunden werden. Eine von Chile in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass dies technisch möglich ist. Vor einer Umsetzung sind allerdings noch finanzielle, politische und ökologische Fragen zu klären.

Bislang ist die digitale Verbindung der Antarktis stark von Satelliten abhängig. Angesichts immer größerer wissenschaftlicher Datenmengen stößt diese Infrastruktur zunehmend an Grenzen.

Chile möchte das ändern. Die staatliche Telekommunikationsbehörde Subtel ließ untersuchen, ob ein Glasfaserkabel vom Süden Chiles durch die Drake-Passage bis zur Antarktischen Halbinsel realisierbar wäre. Die Studie kommt zu einem positiven Ergebnis: Unüberwindbare technische Hindernisse gibt es nicht.

Von Punta Arenas bis in die Antarktis: Die Grafik zeigt die wichtigsten Etappen des Projekts „Cable Antártico“. Die Verbindung soll vor allem Forschung und wissenschaftlichen Datenaustausch verbessern. (Grafik: Gobierno de Chile / SUBTEL)

Zwei mögliche Varianten

Eine kleinere Variante würde über rund 1.600 Kilometer von Punta Arenas und Puerto Williams zu drei chilenischen Einrichtungen in der Antarktis führen. Die Kosten werden auf etwa 370 Millionen US-Dollar geschätzt.

Eine größere Variante sieht ein 4.100 Kilometer langes Kabelsystem mit neun Landepunkten vor, das auch Stationen anderer Staaten anbinden könnte. Die Kosten werden auf rund 621 Millionen US-Dollar geschätzt.

Für die Forschung wäre die Verbindung ein großer Fortschritt. Klima-, Ozean- und Satellitendaten könnten mit wesentlich höherer Kapazität übertragen werden. Vorgesehen sind Datenraten von 15 bis 30 Terabit pro Sekunde je Anschlusspunkt.

Die CS Global Sentinel ist auf die Verlegung und Reparatur von Untersee-Telekommunikationskabeln spezialisiert. Das Schiff steht nicht direkt mit dem Antarktisprojekt in Verbindung, veranschaulicht jedoch die benötigte Technik. (Bild: Nc tech3 / Wikimedia Commons)

Kabel könnte auch Daten sammeln

In das Glasfasersystem könnten sogenannte SMART-Sensoren integriert werden. Sie könnten Temperatur, Druck und seismische Aktivitäten am Meeresboden der Drake-Passage kontinuierlich erfassen. Das Kabel würde damit selbst zum wissenschaftlichen Messinstrument.

Der Bau wäre allerdings anspruchsvoll. Große Wassertiefen, Eisberge und Meereis sowie empfindliche Meeresgebiete und die Umweltvorschriften des Antarktisvertrags müssen berücksichtigt werden.

Noch keine Entscheidung

Trotz der positiven Studie ist der Bau noch nicht beschlossen. Finanzierung, internationale Partner, Betreiberstruktur und Genehmigungen müssen zunächst geklärt werden.

Im September 2026 sollen unter anderem das chilenische Antarktisinstitut INACH und die Region Magallanes Stellung nehmen. Im November könnte das Projekt dem chilenischen Rat für Antarktispolitik vorgelegt werden.

Bei einer positiven Entscheidung rechnen die Planer bis zur vollständigen Umsetzung mit rund acht Jahren. Damit könnte die Antarktis erstmals direkt an das globale Glasfasernetz angeschlossen werden, ein bedeutender Schritt für Forschung und wissenschaftlichen Datenaustausch.

Heiner Kubny, PolarJournal