Vulkanausbrüche gehören nicht zu den Gefahren, die man zuerst mit der Antarktis verbindet. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass explosive Eruptionen im nördlichen Victoria Land Forschungsstationen, Flugverbindungen und sogar internationale Luftverkehrsrouten beeinträchtigen könnten.
Im Mittelpunkt stehen Mount Melbourne und Mount Rittmann, zwei ruhende, aber potenziell aktive Vulkane im nördlichen Victoria Land. Die italienischen Vulkanologen Federica Pardini, Paola Del Carlo und Alessio Di Roberto vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) untersuchten, wie sich Vulkanasche bei möglichen Eruptionen ausbreiten würde.
Dafür kombinierten sie 20 Jahre meteorologische Daten mit Computersimulationen verschiedener Ausbruchsszenarien. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem starke Eruptionen weitreichende Folgen haben könnten. Gelangt Asche in große Höhen, könnte sie über enorme Entfernungen transportiert werden und sogar internationale Flugrouten auf der Südhalbkugel erreichen.
Doch bereits kleinere Ausbrüche könnten die Antarktislogistik empfindlich treffen. Aschewolken könnten regionale Flugverbindungen unterbrechen, auf die viele Forschungsstationen während des kurzen antarktischen Sommers angewiesen sind. Auch Ablagerungen auf Landebahnen, technischen Anlagen oder Wasserreservoirs könnten Probleme verursachen.
Die Forschenden empfehlen deshalb, vulkanische Risiken künftig stärker in die Notfall- und Logistikplanung der Antarktisprogramme einzubeziehen.
Die Ergebnisse veröffentlichten Pardini, Del Carlo und Di Roberto am 4. September 2026 in Scientific Reports. Die Untersuchung ist eine Gefahrenmodellierung – Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch gibt es nicht.
Heiner Kubny, PolarJournal

