Auf den Kerguelen im südlichen Indischen Ozean lebt eine bislang wissenschaftlich nicht als eigene Art erkannte Pinguinart. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die dortigen Eselspinguine eine eigenständige Entwicklungslinie bilden. Die Forschenden beschreiben sie nun als Pygoscelis kerguelensis.
Eselspinguine galten lange als eine weit verbreitete Art mit verschiedenen Unterarten. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der University of California, Berkeley, untersuchte jedoch das Erbgut von Populationen aus unterschiedlichen Regionen des Südlichen Ozeans. Die Ergebnisse sprechen für vier deutlich voneinander getrennte Arten.
Eine davon ist der neu beschriebene Südöstliche Eselspinguin (Pygoscelis kerguelensis). Er lebt auf den Kerguelen und vermutlich auch auf der weiter südlich gelegenen Heard Island. Äußerlich unterscheidet er sich nur wenig von anderen Eselspinguinen. Genetisch ist die Population jedoch klar abgegrenzt, ein Beispiel für eine sogenannte kryptische Art.
Die Isolation der weit auseinanderliegenden Brutgebiete dürfte bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle gespielt haben. Eselspinguine kehren häufig in dieselben Brutgebiete zurück und unternehmen vergleichsweise begrenzte Wanderungen. Hinzu kommt die Antarktische Polarfront, die mit starken Unterschieden bei Wassertemperatur und Salzgehalt eine natürliche Barriere im Südlichen Ozean bildet. Die verschiedenen Linien trennten sich nach den genetischen Analysen über einen Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren.
Die Entdeckung hat auch Konsequenzen für den Artenschutz. Modellierungen der Forschenden zeigen, dass sich geeignete Lebensräume für drei der vier neu abgegrenzten Arten durch die Erwärmung der Ozeane deutlich verkleinern könnten. Die Autoren empfehlen deshalb, die Arten künftig getrennt hinsichtlich ihrer Gefährdung zu beurteilen.
Rosamaria Kubny, PolarJournal

