Der antarktische Eisschild wird bis Ende dieses Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter an Masse verlieren – selbst bei stark sinkenden Treibhausgasemissionen. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass das Ausmass des Eisverlusts weiterhin wesentlich vom künftigen Klimaschutz abhängt.
Ein internationales Forschungsteam um Yucheng Lin untersuchte, wie der antarktische Eisschild auf unterschiedliche Emissionsszenarien reagieren könnte. Die am 30. September 2026 in Nature Geoscience veröffentlichte Studie kommt zum Ergebnis, dass die Antarktis bis 2100 selbst bei starken Emissionsreduktionen mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 92 Prozent netto Eis verliert
Wie gross dieser Verlust ausfällt, hängt jedoch entscheidend von der weiteren Erwärmung ab. Laut Studie besteht eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 89 Prozent, dass ein sehr emissionsarmer Entwicklungspfad zu geringeren Eisverlusten führt als ein Szenario mit sehr hohen Emissionen.
Eine Schlüsselrolle spielen die schwimmenden Schelfeise entlang der antarktischen Küste. Sie bremsen die Gletscher auf ihrem Weg ins Meer. Schmelzen die Schelfeise durch wärmeres Meerwasser von unten, können die dahinterliegenden Eismassen schneller abfliessen.
Für ihre Untersuchung kombinierten die Forschenden zahlreiche Eisschildsimulationen mit maschinellem Lernen und Satellitenmessungen aus den Jahren 2002 bis 2021.
Bei sehr hohen Emissionen könnte die Antarktis bis 2100 in einem untersuchten Hochrisikobereich rund 15 Zentimeter, in einer höheren Abschätzung sogar etwa 25 Zentimeter zum globalen Meeresspiegelanstieg beitragen. Diese Werte sind jedoch keine allgemeingültige Prognose und auch keine absolute Obergrenze.
Die Studie verdeutlicht: Ein weiterer Eisverlust der Antarktis ist kaum noch abzuwenden. Wie stark er ausfällt, lässt sich durch eine Begrenzung der globalen Erwärmung aber weiterhin beeinflussen.
Liam Anderson, PolarJournal

