Neues Einreisegenehmigungssystem für Südgeorgien verzögert sich

von Dr. Michael Wenger
08/12/2025

Die Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln (GSGSSI) hat eine kurzfristige Verschiebung ihres neuen elektronischen Einreiseerlaubnissystems bekannt gegeben, das am 1. August 2025 in Kraft treten sollte. Das neue System, das die Kontrolle über die steigenden Besucherzahlen in dem ökologisch sensiblen britischen Überseegebiet modernisieren und verbessern sollte, wurde aufgrund technischer Schwierigkeiten verschoben. Reiseveranstalter und potenzielle Besucher, die sich auf die kommende Saison vorbereiten, sehen sich nun vorübergehend mit Unsicherheiten konfrontiert.

Besucherinnen und Besucher die nach Südgeorgien kommen, steht ein neues Genehmigungssystem bevor. Aber der Start ist vorerst verschoben worden. Bild: Michael Wenger

Das geplante elektronische Reisegenehmigungssystem (ETA) sollte die seit langem bestehende Praxis einer kollektiven Landegebühr für Schiffe ersetzen. Die neuen Vorschriften sehen vor, dass jede Person, die an Land gehen möchte, über eine persönliche Einreisegenehmigung verfügen muss, wobei für Besucher- und Arbeitsgenehmigungen separate Anträge gestellt werden müssen. Eine Besuchergenehmigung kostet 200 £ und ist 30 Tage lang gültig, während eine Arbeitsgenehmigung kostenlos und ein Jahr lang gültig ist.

Ein neues Genehmigungssystem für alle

Das System wurde umfassend überarbeitet, sodass nun zwei separate Zeitpläne für die Beantragung von Genehmigungen gelten. Zusätzlich zur individuellen Genehmigung müssen alle Schiffe spätestens 60 Tage vor ihrem geplanten Besuch eine „Schiffsanmeldung” einreichen, um die maritime Planung zu erleichtern. Alle Personen, die an Land gehen möchten – mit wenigen Ausnahmen für diensthabende Besatzungsmitglieder –, müssen dann eine persönliche Einreisegenehmigung besitzen, die mindestens 14 Tage im Voraus beantragt werden muss. Eine Besuchergenehmigung kostet 200 £ für einen Zeitraum von 30 Tagen. Die Gebühr ist nicht erstattungsfähig, auch wenn ein Antrag abgelehnt wird oder eine Genehmigung nicht genutzt wird.

Die Regierung hat ein flexibles Antragsverfahren für die Einzelgenehmigungen festgelegt. Eine Person kann den Antrag direkt stellen oder durch eine bevollmächtigte Person wie ein Reisebüro oder einen Kreuzfahrtveranstalter beantragen lassen. Um Doppelanträge zu vermeiden, wird potenziellen Besucherinnen und Besuchern empfohlen, zunächst bei ihrem Reiseveranstalter nachzufragen, ob dieser einen Antrag für sie stellen wird. Die Vorschriften sehen außerdem vor, dass verspätete Anträge nur unter bestimmten Umständen berücksichtigt werden und dass Anträge, die vier Tage oder weniger vor der Ankunft gestellt werden, nicht genehmigt werden.

Landschaften, Pinguine, Robben und Geschichte: Südgeorgien bietet fast alles für jede und jeden. Und das zieht jedes Jahr mehr und mehr Besuchende an. Bild: Michael Wenger

Das neue System zur Bewältigung der Herausforderungen steht vor technischen Problemen

Der Hauptgrund für diese bedeutende Umstellung ist das wachsende Interesse an Südgeorgien als Reiseziel. Laut dem jährlichen Besucherbericht der GSGSSI besuchten in der Saison 2023-24 14’594 Passagiere die Insel. Unter Einbeziehung des Expeditionspersonals und der Besatzung belief sich die Gesamtzahl der Besucher auf 27’565. Diese Zahl bedeutet einen kontinuierlichen Anstieg gegenüber den 13’721 Passagieren, die in der Saison 2022-23 die Insel besuchten, und eine deutliche Erholung nach dem Einbruch des Tourismus während der Pandemie. Bei der Ankündigung des Systems Anfang dieses Jahres erklärte die damalige Kommissarin Alison Blake: „Die Einführung des Einreiseerlaubnissystems ist der Höhepunkt der Arbeit und Konsultationen zur Entwicklung eines modernen Genehmigungssystems, das das wachsende touristische Interesse an Südgeorgien unterstützen wird.“ Das Ziel der Regierung ist es, sicherzustellen, dass alle Besuche nachhaltig verwaltet werden und ein Gleichgewicht zwischen Tourismus und langfristigem Naturschutz hergestellt wird.

Der Grund für die Verzögerung ist laut einer kurzen Mitteilung „technische Probleme mit der Zahlungssicherheit” auf dem neuen webbasierten Antragsportal. Dieser Rückschlag bedeutet eine erhebliche Verzögerung des klar definierten Einführungsplans. Am 1. Juli 2025 hatte die Regierung noch zuversichtlich verkündet, dass es „nur noch einen Monat” bis zur Einführung sei, und damit signalisiert, dass das System planmäßig voranschreite. Die kurzfristige Verschiebung lässt vermuten, dass bei den letzten Sicherheitsüberprüfungen Schwachstellen entdeckt wurden, die so gravierend sind, dass die gesamte Einführung gestoppt werden musste. Die Regierung hat noch keinen neuen Zeitplan für die Einführung des Systems vorgelegt und lediglich erklärt, dass „in Kürze weitere Informationen folgen werden“.

Die Besucherzahlen für 2023–24 verdeutlichen die komplexen Herausforderungen, die mit dem Besucheransturm verbunden sind. In jenem Jahr wurde Südgeorgien erstmals von der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) heimgesucht. Der Ausbruch führte zur Schließung zahlreicher Landestellen. Auf dem Höhepunkt der Epidemie im Januar 2024 waren 19 der 41 verfügbaren Anlegestellen für Touristen gesperrt, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Diese Erfahrung macht deutlich, wie wichtig robuste Biosicherheitsmaßnahmen und ein flexibles Besuchermanagement sind, die durch das individuelle ETA-System unterstützt werden.

Die Biosicherheit auf Südgeorgien ist entscheidend, um die Ausbreitung der Vogelgrippe oder die Einführung nicht heimischer Arten zu verhindern. Bild: Michael Wenger

Teil einer umfassenderen Umweltschutzstrategie

Insgesamt ist das neue System ein wichtiger Bestandteil der umfassenden Naturschutzstrategie von Südgeorgien. Die Inseln gelten darin als Erfolgsgeschichte, insbesondere aufgrund der erfolgreichen Ausrottung invasiver Nagetiere. Obligatorische Biosicherheitsaudits bleiben ein wichtiges Instrument, scheinen jedoch entsprechend den neuen Besucherrichtlinien angepasst worden zu sein. Gemäß dem Plan werden alle Schiffe bei ihrem ersten Besuch in der Saison einer „umfassenden” Prüfung unterzogen. Bei einer Erfolgsquote von über 95 % sind bei den folgenden Besuchen nur noch vereinfachte „Basisprüfungen” erforderlich. Zum Vergleich: In der Saison 2023/24 lag die Gesamtquote bei 97,4 %. Ein Fehlschlag an irgendeinem Punkt würde bei der nächsten Visite eine weitere umfassende Prüfung auslösen. Dies zeigt zusammen mit anderen geplanten Maßnahmen wie einer freiwilligen Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 Knoten in wichtigen Gebieten zur Verringerung von Walunfälle, wie detailliert die Umweltüberwachung sein soll, die mit dem neuen System erreicht werden soll.

Derzeit befindet sich die Tourismusbranche in einer Warteschleife. Reiseveranstalter, die sich auf die Umstellung auf das neue Antragsverfahren vorbereitet haben, müssen weitere Anweisungen abwarten. Die Verzögerung ist zwar eine administrative und technische Hürde, doch die grundlegenden Gründe für das neue Genehmigungssystem bestehen weiterhin. Die GSGSSI hat ihr Engagement für den Schutz der Naturwunder des Gebiets bekräftigt und will sicherstellen, dass alle Besucher dies auf nachhaltige Weise tun können. Besuchende und Betreiber hoffen gleichermaßen auf eine rasche Lösung, damit dieses moderne digitale Portal geöffnet werden kann und die Zukunft dieses außergewöhnlichen Teils der Welt gesichert ist.