«Polarstern» startet Expedition ins Weddellmeer

von Heiner Kubny
12/23/2025

Benthos in der östlichen Weddel Sea. Benthos ist die Gesamtheit aller Lebewesen, die in der Bodenzone eines Gewässers leben. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Tomas Lundalv)

Der deutsche Forschungseisbrecher «Polarstern» ist zu einer internationalen Forschungsexpedition ins antarktische Weddellmeer aufgebrochen. Unter der Leitung der Universität Rostock untersucht ein 46-köpfiges Forschungsteam den Einfluss des Klimawandels auf die Artenvielfalt eines der letzten weitgehend unberührten Meeresökosysteme der Erde.

Benthos im östlichen Weddellmeer (Foto: AWI / Tomas Lundalv)

Die Forschungsreise findet vom 15. Dezember 2025 bis zum 2. Februar 2026 statt und markiert die zentralen Geländearbeiten des EU-Verbundprojekts „Weddell Sea Observatory of Biodiversity and Ecosystem Change“ (WOBEC). Ziel des Projekts ist es, die wissenschaftliche Grundlage für langfristige Biodiversitätsbeobachtungen in einem möglichen zukünftigen Meeresschutzgebiet im Weddellmeer zu schaffen. WOBEC wird im Rahmen der Europäischen Partnerschaft für Biodiversität Biodiversa+ von elf Partnerinstitutionen sowie nationalen Förderern aus Europa und den USA getragen und vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) koordiniert.

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Heike Link von der Universität Rostock wird das Forschungs-Team in den kommenden Wochen Forschungsarbeiten entlang des Null-Meridians und im östlichen Weddellmeer durchführen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Maud-Rise-Seeberg, dessen besondere Strömungsverhältnisse eine außergewöhnlich artenreiche Lebensgemeinschaft begünstigen. Darüber hinaus setzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeiten auf dem Schelfgebiet vor Kapp Norvegia westlich der deutschen Antarktisstation Neumayer III fort. Zum Einsatz kommen sowohl moderne autonome Beobachtungssysteme als auch klassische ozeanographische Messmethoden.

Benthos im östlichen Weddellmeer (Foto: AWI / Tomas Lundalv)

„Wir wollen verstehen, wie sich dieses einzigartige Ökosystem entwickelt und welche Auswirkungen der Rückgang des antarktischen Meereises auf die dortigen Lebensgemeinschaften hat“, erklärt Fahrtleiterin Dr. Heike Link. „Die Expedition ist zugleich ein wichtiger Test für unser langfristiges Beobachtungskonzept.“

Das Weddellmeer gilt als Hotspot der antarktischen Biodiversität. Hier finden sich unter anderem Schwamm- und Korallengärten, große Krillschwärme sowie zahlreiche eisabhängige Arten wie Weddellrobben und Kaiserpinguine. „Als eines der letzten weitgehend unberührten Meeresgebiete spielt das Weddellmeer eine Schlüsselrolle für den Erhalt kälteliebender Arten im Zuge des menschengemachten Klimawandels“, sagt Hauke Flores, Meeresbiologe am AWI und Koordinator von WOBEC.

Benthos im östlichen Weddellmeer (Foto: AWI / Tomas Lundalv)

Im Rahmen der Expedition werden umfangreiche biologische, chemische und physikalische Daten erhoben und gemeinsam mit historischen Datensätzen für die internationale Forschung zugänglich gemacht. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit internationalen Partnern sowie mit der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR). Zudem übernimmt die «Polarstern» während der Reise die Versorgung der deutschen Antarktisstation Neumayer III.

Mit dem Auslaufen der «Polarstern» beginnt ein wichtiger Schritt hin zu einem besseren Verständnis und dem langfristigen Schutz eines der empfindlichsten und wertvollsten Ökosysteme der Erde.

Heiner Kubny, PolarJournal