In den kalten Fjorden der subantarktischen Insel Südgeorgien entscheidet sich das Überleben ganzer Fischgenerationen. Neue Forschungsergebnisse zeigen: Veränderte Meeresströmungen, ausgelöst durch den Klimawandel, können darüber bestimmen, ob junge Makrelen-Eisfische heranwachsen, oder in den offenen Ozean abgetrieben werden.
Die Makrelen-Eisfische sind ein Schlüsselfaktor im marinen Ökosystem Südgeorgiens. Sie dienen Robben, Pinguinen und anderen Meeresbewohnern als wichtige Nahrungsquelle. Gerät ihr Nachwuchs in Gefahr, hat das Folgen für die gesamte Nahrungskette.
Gletscherwasser verändert Strömungen
Geleitet wurde die Studie von Dr. Joanna Zanker vom British Antarctic Survey. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchte sie erstmals detailliert, wie Meeresströmungen im größten Fjord Südgeorgiens auf klimatische Veränderungen reagieren.
Im November 2021 sammelte das Forschungsteam während einer Expedition mit dem Fischereipatrouillenschiff Pharos SG umfangreiche Ozeanmessdaten. In Kombination mit Computersimulationen ergab sich ein klares Bild: Durch das zunehmende Abschmelzen der Gletscher strömt mehr Süßwasser in die Fjorde. Diese Veränderung verstärkt Strömungen, die junge Fische aus den geschützten Fjordgebieten in den offenen Ozean hinausziehen.
Dort sinken ihre Überlebenschancen drastisch.
Wind als unerwarteter Verbündeter
Doch die Studie zeigt auch einen Hoffnungsschimmer. Starke, warme Winde können die Strömungen so beeinflussen, dass Fischlarven im Fjord gehalten werden. Diese natürliche „Falle“ erhöht ihre Chancen, das Erwachsenenalter zu erreichen.
„Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie sensibel Fjordsysteme auf Veränderungen im Ozean reagieren“, erklärt Dr. Zanker. „Mit der fortschreitenden Erwärmung des Klimas könnten diese Prozesse erhebliche Auswirkungen auf lokale Ökosysteme und auch auf die kommerzielle Fischerei haben.“
Bedeutung für den Meeresschutz
Südgeorgien beherbergt eines der größten Meeresschutzgebiete im Südlichen Ozean. Durch streng regulierte und nachhaltige Fischerei gilt es international als Vorbild. Das neue Wissen über die Rolle von Meeresströmungen in frühen Lebensphasen von Fischen liefert wichtige Grundlagen für zukünftige Schutzmaßnahmen, sowohl in Südgeorgien als auch in vergleichbaren Regionen weltweit.
Die Studie wurde vom Natural Environment Research Council, Polar Seafish Ltd sowie UK Research and Innovation gefördert. Die Ergebnisse erschienen unter dem Titel „Sub-Antarctic fjord circulation and associated icefish larval retention in a changing climate“ in der Fachzeitschrift Progress in Oceanography.
Heiner Kubny, PolarJournal

