Neue Sensoren messen Luftqualität in der Antarktis

von Heiner Kubny
04/23/2026

An der ukrainischen Antarktis-Station Vernadsky Research Base wurden neue Messinstrumente installiert, um die Luftqualität unter extremen Bedingungen kontinuierlich zu überwachen. (Fotos: Serhiy Yakushchenko, Yuriy Usmansky)

Ukrainische Wissenschaftler haben ihre Forschung zur Luftqualität in einigen der entlegensten Regionen der Erde ausgeweitet. In der aktuellen Saison wurden neue Messinstrumente sowohl auf der Antarktisstation Vernadsky als auch auf dem Forschungseisbrecher „Noosphere“ installiert.

Die Antarktis gilt als Ort mit der saubersten Luft weltweit. Dennoch wollen Forscher genau verstehen, wie Schadstoffe aus anderen Kontinenten selbst diese abgelegene Region erreichen können. Bereits 2024 wurde auf der Station Vernadsky erstmals ein moderner Luftqualitätsanalysator des Unternehmens IQAir in Betrieb genommen. Das Gerät misst winzige Schwebeteilchen, sogenannte Aerosole, in unterschiedlichen Größen.

Um die Genauigkeit der Daten zu verbessern, wurde nun ein zweites, baugleiches Gerät installiert. Damit können Messwerte verglichen und mögliche Fehler ausgeschlossen werden. Verantwortlich für die Installation waren der Ozonometer Serhij Jakuschtschenko und der Meteorologe Oleksandr Nadtotschi.

Erste Ergebnisse bestätigen: Die Luft rund um die Station ist nahezu frei von Schadstoffen. Doch ganz konstant bleibt sie nicht. Naturereignisse wie Vulkanausbrüche oder starke Stürme können ebenso Einfluss nehmen wie klimatische Faktoren – etwa Wind oder Luftfeuchtigkeit. Wissenschaftler warnen zudem, dass Aerosole in der Stratosphäre chemische Prozesse verstärken können, die die Ozonschicht schädigen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Messungen über den Weltmeeren. Auf dem Eisbrecher „Noosphere“ wurde ein zusätzlicher Luftanalysator installiert. Dort kommt auch ein AirGradient-Gerät zum Einsatz, das neben Feinstaub (PM2,5) auch CO₂, Stickoxide, flüchtige organische Verbindungen sowie Temperatur und Luftfeuchtigkeit erfasst.

„Gerade über den Ozeanen fehlen uns bislang viele Daten“, erklärt Studienleiter Gennady Milinevsky. „Dabei sind diese Informationen entscheidend, um globale Klima- und Wettermodelle zu verbessern.“ Messungen direkt an Bord eines fahrenden Forschungsschiffs könnten diese Lücke nun schließen.

Unterstützt wird das Projekt vom Unternehmen IQAir sowie dessen ukrainischem Partner Ecocene. Für die Forscher steht fest: Die gewonnenen Daten sind nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern auch für das Verständnis der Luftqualität, die das Leben auf der gesamten Erde beeinflusst.

Heiner Kubny, PolarJournal