Mithilfe künstlicher Intelligenz haben Forschende erstmals Zehntausende festsitzende Eisberge entlang der antarktischen Küste systematisch erfasst. Selbst kleine Eisberge könnten dabei eine wichtige Rolle für Meereis und Schelfeise spielen.
Ein Forschungsteam um Kaihong Jiao von der University of Tasmania hat mithilfe von Radardaten der europäischen Sentinel-1-Satelliten 39.619 festsitzende Eisberge rund um die Antarktis kartiert. Die am 10. September 2026 veröffentlichte Studie zeigt, dass solche Eisberge entlang von mehr als der Hälfte der antarktischen Küste vorkommen.
Überraschend ist vor allem ihre Größe: 92,6 Prozent sind kleiner als ein Quadratkilometer. Zusammen bedecken die erfassten Eisberge dennoch rund 13.430 Quadratkilometer. Besonders häufig liegen sie auf flachen Kontinentalschelfen und vor Schelfeisen.
Die Forschenden beschreiben dabei einen «Lattenzaun-Effekt»: Reihen von Eisbergen, die auf dem Meeresboden festsitzen, können Meereis zurückhalten und die Bildung von stabilem Festeis fördern. Dieses dämpft Wellen und Dünung des Südlichen Ozeans und kann dadurch Schelfeisfronten zusätzlich schützen.
Die vom Australian Antarctic Program Partnership (AAPP) vorgestellte Untersuchung macht deutlich, dass nicht nur spektakuläre Rieseneisberge für die Antarktis von Bedeutung sind. Auch Zehntausende kleine Eisberge bilden gemeinsam einen bislang wenig beachteten Bestandteil des Küstensystems. Veränderungen durch wärmeres Meerwasser und weniger Meereis könnten deshalb auch diesen natürlichen Schutzmechanismus beeinflussen.
Heiner Kubny, PolarJournal

