Seit Jahrzehnten breiten sich Biber in Alaska weiter nach Norden aus. Wissenschaftler versuchen noch immer genau zu verstehen, warum, und einige der neuesten Erkenntnisse sind überraschend.
Vor 1950 gab es im arktischen Alaska kaum Hinweise auf die Landschaftsgestaltung durch Biber, doch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nahm ihre Präsenz deutlich zu. Eine Studie aus dem Jahr 2022 schätzte die Zahl der Biberteiche in Alaskas arktischer Tundra auf rund 12.700. Die genaue aktuelle Zahl im Jahr 2026 ist unbekannt.
Polar Journal hat bereits über diese rasche Ausbreitung der Biber in Alaska berichtet. Eine neue Studie liefert nun weitere Erkenntnisse darüber, was diese Entwicklung antreiben könnte.
Was passiert, wenn Biber kommen?
Biber sind mächtige „Ökosystem-Ingenieure“. Durch den Bau von Dämmen und das Graben von Kanälen können sie fließende Gewässer in Netzwerke aus Teichen und Feuchtgebieten verwandeln und dadurch Wasserstände, Lebensräume und die umliegende Landschaft verändern.
In der Arktis hat die Landschaftsgestaltung durch Biber eine weitere wichtige Folge: Biberteiche können das Auftauen des Permafrosts beschleunigen und den Kohlenstoffkreislauf beeinflussen. Polar Journal berichtete bereits über eine Studie, die zeigte, dass Methan-Hotspots rund um Biberteiche 51 Prozent häufiger vorkamen als an nahe gelegenen Gewässern. Überflutungen schaffen wassergesättigte, sauerstoffarme Bedingungen, unter denen Mikroben beim Abbau organischer Substanz Methan produzieren können. Durch das Auftauen des Permafrosts kann zudem zuvor gefrorener Kohlenstoff für den Abbau verfügbar werden.
Das Ausmaß der durch Biber verursachten Veränderungen in Alaska ist beträchtlich. Die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hat diese Entwicklung als eine neue arktische „Störung“ bezeichnet.
Für die Menschen in der Region sind einige Auswirkungen besorgniserregend. Gemeinden in Alaska haben über Beeinträchtigungen der Fischerei sowie der Wasserqualität und des Zugangs mit Booten berichtet.
Warum ziehen Biber nach Norden?
Der Klimawandel gilt seit Langem als wichtigste Erklärung für die Ausbreitung der Biber nach Norden. Eine neue Studie von Forschenden der University of Alaska Fairbanks untersucht genauer, welche konkreten Umweltveränderungen diese Ausbreitung ermöglichen.
Die Forschenden analysierten Satellitenbeobachtungen von fast 1.500 Biberteichen im nordwestlichen arktischen Alaska zwischen 2005 und 2020. Ihren Schätzungen zufolge wurden die Bedingungen für die Entstehung neuer Teiche in diesem Zeitraum etwa fünfmal günstiger, während die beobachtete Biberaktivität ungefähr auf das Dreifache zunahm.
Der Studie zufolge waren mehrere Faktoren mit der Entstehung neuer Teiche verbunden: mildere Winter, wärmere Junimonate, eine höhere Vegetationsproduktivität und ein stärkerer Abfluss der Flüsse im Frühjahr. Interessanterweise trugen dieselben Bedingungen nicht unbedingt dazu bei, dass Teiche dauerhaft besetzt blieben. Kühlere Junimonate und ein geringerer Abfluss im Frühjahr waren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, dass bestehende Teiche weiterhin besetzt waren.
Ein weiteres Ergebnis widersprach bisherigen Erwartungen. Die Ausbreitung von Sträuchern galt als eine mögliche Erklärung dafür, warum Biber weiter nach Norden vordringen können, da sie Nahrung und Baumaterial liefern. Die neue Untersuchung ergab jedoch, dass die lokale Strauchbedeckung kein wichtiger Faktor für die Entstehung neuer Biberteiche war.
Die neue Studie deutet auf eine weitere Ausbreitung der Biber hin. Wie schnell und wie weit sie sich ausbreiten werden und was ihre zunehmende Präsenz für arktische Ökosysteme bedeuten wird, bleibt offen.
Dr. Yana Kirichenko, PolarJournal

