Permafrost – dauerhaft gefrorener Boden in den kältesten Regionen der Erde – speichert seit Jahrtausenden große Mengen organischen Kohlenstoffs aus abgestorbenen Pflanzen und Tieren. Mit dem fortschreitenden Klimawandel taut dieser Boden jedoch zunehmend auf. Dabei wird der gebundene Kohlenstoff freigesetzt und von Mikroorganismen in Methan umgewandelt, ein besonders wirksames Treibhausgas.
Eine neue, von der US-amerikanischen National Science Foundation geförderte Studie zeigt nun, dass bislang wenig beachtete, nicht gefrorene Schichten innerhalb des Permafrosts in Trockengebieten – sogenannte Taliks – eine überraschend große Menge Methan produzieren. Diese Entdeckung wirft neue Fragen zur Rolle des Permafrosts im globalen Klimasystem auf und gibt Anlass zur Sorge, dass zusätzliche Methanemissionen den Klimawandel in der empfindlichen arktischen Umwelt weiter beschleunigen könnten.
Die Forscherin Katey Walter Anthony und ihr Team von der University of Alaska Fairbanks untersuchten Methanemissionen von Taliks im Yedoma-Hochland. Yedoma ist ein eiszeitlicher Permafrosttyp, der für seine gut erhaltenen Mammutfunde bekannt ist und sich von Nordostsibirien über Alaska bis nach Kanada erstreckt. Die Messungen zeigten, dass trockene Taliks im Hochland unerwartet hohe Methanemissionen aufweisen – nahezu dreimal so hoch wie jene aus nördlichen Feuchtgebieten.
Besonders überraschend: Im Gegensatz zu bisher untersuchten Permafrostgebieten setzen diese Hochland-Taliks im Winter deutlich mehr Methan frei als im Sommer. Vor dem Hintergrund, dass sich die Arktis fast viermal schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, könnte diese zusätzliche Methanquelle einen selbstverstärkenden Kreislauf aus steigenden Temperaturen und weiterem Auftauen des Permafrosts in Gang setzen.
Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, Permafrostregionen – insbesondere trockene Hochlandgebiete – stärker in Klimamodelle einzubeziehen, um die zukünftige Entwicklung des globalen Klimasystems besser abschätzen zu können.
Heiner Kubny, PolarJournal

