Eine aktuelle Studie vom Dezember 2025 der norwegischen Behörde für Strahlenschutz untersucht, wie sich der Klimawandel auf die mögliche Ausbreitung radioaktiver Stoffe aus dem gesunkenen sowjetischen Atom-U-Boot «Komsomolez» auswirkt. Das u-Boot sank am 7. April 1989 südwestlich der Bäreninsel, nachdem an Bord Feuer ausgebrochen war. Von der 69-köpfigen Besatzung starben 42, die anderen wurden von Fischerbooten gerettet. Das U-Boot liegt seit seinem Untergang in etwa 1.673 Metern Tiefe in der Norwegischen See. An Bord befinden sich ein Kernreaktor sowie zwei Torpedos mit Atomsprengköpfen.
Im Rahmen der Studie entwickelten Wissenschaftler verschiedene Computersimulationen, um mögliche Szenarien radioaktiver Leckagen zu analysieren. Dabei wurden vier Varianten betrachtet: eine kontinuierliche Freisetzung vom Meeresboden, eine kontinuierliche Freisetzung in der gesamten Wassersäule, eine einmalige Freisetzung vom Meeresboden sowie eine einmalige Freisetzung in der gesamten Wassersäule. Für jedes Szenario wurde die Ausbreitung radioaktiver Stoffe sowohl unter heutigen Bedingungen als auch unter zukünftigen Klimabedingungen berechnet.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel tendenziell das Risiko verringert, dass radioaktive Stoffe bis an die Meeresoberfläche gelangen. Ursache dafür ist die zunehmende Schichtung des Meerwassers infolge steigender Temperaturen und veränderter Niederschlagsmuster. Wärmeres Oberflächenwasser vermischt sich weniger stark mit den kälteren Tiefenschichten, in denen sich das Wrack befindet. Dadurch wird der vertikale Transport von radioaktiven Partikeln erschwert.
Die stärksten klimabedingten Veränderungen wurden im Zeitraum von 1982 bis 2001 festgestellt, als die vertikale Durchmischung der Wassermassen besonders ausgeprägt war. In den Jahren 2002 bis 2021 nahm diese Durchmischung bereits ab, wodurch auch der Einfluss des Klimawandels auf die Ausbreitung der Radioaktivität geringer ausfiel.
Den Modellrechnungen zufolge würde sich austretende Radioaktivität hauptsächlich in der Norwegischen See ausbreiten und teilweise auch die Barentssee, sowie den Arktischen Ozean erreichen. Entlang der norwegischen Küste, insbesondere in den Regionen Lofoten, Tromsø und Kirkenes könnten die Konzentrationen über einen Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnten zwar ansteigen, blieben jedoch deutlich unter den Werten eines Szenarios ohne klimabedingte Veränderungen.
Die Untersuchung wurde im Rahmen des norwegischen Aktionsplans für nukleare Sicherheit durchgeführt. Die Wissenschaftler betonen, dass ihre Ergebnisse auf Modellrechnungen basieren und derzeit keine akute Gefahr durch das Wrack besteht. Messungen aus dem Jahr 2019 zeigen, dass die Freisetzung von radioaktivem Cäsium-137 bei etwa 0,1 Gigabecquerel pro Jahr liegt, ein Wert, der um mehrere Größenordnungen niedriger ist als in den Jahren unmittelbar nach dem Unglück.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Klimawandel in diesem speziellen Fall eine dämpfende Wirkung auf die Ausbreitung radioaktiver Stoffe haben könnte. Dennoch bleibt eine kontinuierliche Überwachung des Wracks notwendig, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu bewerten.
Heiner Kubny, PolarJournal

