Kaiserpinguine gelten als „stark gefährdete Art“

von Rosamaria Kubny
04/11/2026

Der Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri), die größte Pinguinart, lebt in der Antarktis und ist für die Aufzucht seiner Jungen sowie die Mauser auf stabiles Meereis angewiesen. (Foto: Heiner Kubny)

Der Klimawandel gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit und hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Natur und die Tierwelt. Besonders stark betroffen sind Arten, die auf stabile Eisflächen angewiesen sind. Dazu zählen vor allem die Kaiserpinguine, die inzwischen von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „stark gefährdete Art“ eingestuft wurden. Diese Neubewertung macht deutlich, wie dramatisch sich ihre Lebensbedingungen in den letzten Jahren verschlechtert haben.

Der Kaiserpinguin ist die größte Pinguinart der Welt und lebt ausschließlich in der Antarktis. Sein gesamter Lebenszyklus ist eng an das Vorhandensein von Meereis gebunden. Dieses Eis dient nicht nur als Lebensraum, sondern vor allem als Brutplatz für die Aufzucht der Küken. Doch genau dieses Meereis geht durch die steigenden globalen Temperaturen immer weiter zurück. Seit 2016 wurden in der Antarktis wiederholt Rekordtiefstände beim Meereis gemessen. Wenn das Eis zu früh im Jahr aufbricht, bevor die Jungtiere schwimmen können, stürzen ganze Brutkolonien ins Meer, mit oft verheerenden Folgen. Viele Küken ertrinken, und ganze Generationen können verloren gehen.

Die Küken schlüpfen ab Mitte Juli nach rund 64 Tagen Brutzeit und haben bis zum Januar, dem Sommer auf der Südhalbkugel, Zeit, flügge zu werden. Schmilzt das Eis jedoch zu früh, droht ihnen Gefahr: Ihr noch nicht wasserdichtes Gefieder kann zum Ertrinken führen. (Foto: Heiner Kubny)

Die Zahlen verdeutlichen die Dramatik der Situation: Zwischen 2009 und 2018 ist die Population der Kaiserpinguine bereits um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2018 lebten schätzungsweise noch rund 180.000 Tiere. Wissenschaftliche Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2080 halbieren könnte, wenn sich die aktuellen Entwicklungen fortsetzen. Der Klimawandel wirkt sich dabei nicht nur direkt auf das Eis aus, sondern auch auf das gesamte Ökosystem, von dem die Pinguine abhängig sind.

Der Antarktische Seebär (Arctocephalus gazella) gehört zu den Südlichen Seebären und lebt auf Inseln sowie in Meeresgebieten nördlich der Antarktis. Besonders große Kolonien findet man auf Südgeorgien und den umliegenden Inseln. (Foto: Rosamaria Kubny)

Ähnlich alarmierend ist die Lage beim Antarktischen Seebären. Auch diese Art wurde als „stark gefährdet“ eingestuft. Ihre Population hat sich seit 1999 mehr als halbiert und liegt derzeit bei etwa 944.000 Tieren. Ein zentraler Grund dafür ist der Rückgang ihrer wichtigsten Nahrungsquelle: Krill. Diese kleinen, garnelenähnlichen Krebstiere sind ein grundlegender Bestandteil des antarktischen Nahrungsnetzes. Durch die steigenden Meerestemperaturen wandern sie jedoch in tiefere, kältere Wasserschichten ab. Für Seebären wird es dadurch zunehmend schwieriger, ausreichend Nahrung zu finden, was sich direkt auf ihre Fortpflanzung und ihr Überleben auswirkt.

Der Südliche See-Elefant (Mirounga leonina) ist die größte Robbenart und zugleich das schwerste landlebende Raubtier; ausgewachsene Bullen können bis zu sechs Meter lang und nahezu vier Tonnen schwer werden. (Foto: Heiner Kubny)

Auch der Südliche See-Elefant ist betroffen und wurde mittlerweile als „gefährdet“ eingestuft. Neben dem Klimawandel spielt hier auch die Ausbreitung von Krankheiten eine entscheidende Rolle. Besonders die Vogelgrippe hat in den letzten Jahren große Schäden angerichtet. Sie hat mehrere Populationen befallen, und in einigen Kolonien sind über 90 Prozent der neugeborenen Jungtiere gestorben. Mit steigenden Temperaturen könnte sich die Verbreitung solcher Krankheiten weiter beschleunigen, was die Situation zusätzlich verschärft.

Die Hochstufung dieser Tierarten auf der Roten Liste der IUCN ist mehr als nur eine wissenschaftliche Bewertung, sie ist ein dringender Appell an die Weltgemeinschaft. Sie zeigt, dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr in der Zukunft liegen, sondern bereits heute spürbar sind. Besonders empfindliche Ökosysteme wie die Antarktis reagieren schnell und deutlich auf Veränderungen, und die dort lebenden Tiere sind oft die ersten Opfer.

Rosamaria Kubny, PolarJournal