Gemeinsam gegen den Klimawandel am Südpol

von Heiner Kubny
05/02/2026

Im Zuge der 62. Chilenischen Antarktisexpedition besuchte ein Team des Chilenisches Antarktisinstitutmehrere Standorte auf der Antarktischen Halbinsel. Ziel war es, die Funktionsfähigkeit automatischer Wetterstationen sicherzustellen.
Unterhaltsarbeiten unter Extrembedingungen: Einsätze zwischen Hubschrauber, Boot und engem Zeitfenster. (Foto: INACH)

Im Zuge der 62. Chilenischen Antarktisexpedition (ECA 62) besuchte ein Team des Chilenisches Antarktisinstitut mehrere Standorte auf der Antarktischen Halbinsel. Ziel war es, die Funktionsfähigkeit automatischer Wetterstationen sicherzustellen, die Teil des Projekts „Latitudinal Sensors“ sind. Diese Stationen liefern offene Daten für die internationale Forschungsgemeinschaft und tragen dazu bei, Chiles Rolle als führendes Land in der Klimaforschung der Region zu festigen.

Das Netzwerk umfasst derzeit 17 Messpunkte, verteilt über verschiedene Gebiete der Antarktis. Während der Expedition wurden zahlreiche Stationen gewartet, modernisiert oder erweitert, darunter Standorte auf dem Union-Gletscher, Prospect Point sowie an den Basen O’Higgins und Gabriel-González-Videla. Zusätzlich wurden zwei neue Stationen auf dem Mount Vinson und auf Detaille Island installiert.

Gemeinsam für die Antarktis: Lateinamerikanische Forschung an Bord der ARC Simón Bolívar. (Foto: INACH)

Die Expedition wurde durch internationale Kooperation ermöglicht: An Bord des kolumbianischen Forschungsschiffs arbeiteten Fachleute aus Chile gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Kolumbien, Ecuador und Venezuela. Diese Zusammenarbeit erlaubt nicht nur eine größere geografische Abdeckung, sondern fördert auch den Austausch von Wissen und technischen Erfahrungen.

Cristofer Huenchumán, Ingenieur für Automatisierung und industrielle Steuerung beim INACH, war 53 Tage lang Teil der Mission. Er betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: Sie ermögliche es, mehr Messpunkte zu erreichen, neue Kontakte zu knüpfen und technische Verbesserungen aus verschiedenen Perspektiven umzusetzen.

Die Arbeit vor Ort stellte das Team vor große Herausforderungen. Einige Stationen konnten nur per Hubschrauber, andere per Boot erreicht werden. Für Wartungsarbeiten standen oft nur wenige Stunden zur Verfügung, abhängig von Wetterbedingungen, Seegang und logistischen Anforderungen. Extreme Wetterumschwünge, wie plötzliche Schneestürme, erschwerten die Einsätze zusätzlich.

Präzise Messungen für die Zukunft: Automatische Stationen liefern Schlüssel­daten zum Klimaverständnis. (Foto: INACH)

Die automatischen Stationen erfassen eine Vielzahl klimarelevanter Daten, darunter Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Konzentration, Windrichtung und -geschwindigkeit, Bodentemperatur sowie verschiedene Strahlungswerte und Luftdruck. Diese Daten sind essenziell für das Verständnis klimatischer Prozesse und können nach langfristiger Erfassung gemäß Standards der Weltorganisation für Meteorologie für Prognosen und wissenschaftliche Analysen genutzt werden.

Neben der Datenerhebung engagierte sich das Team auch im Umweltschutz. So wurden Überreste der alten Federico-Puga-Schutzhütte entfernt, um den menschlichen Einfluss auf die empfindliche Umwelt der Antarktis zu reduzieren.

Parallel dazu arbeitet das Sensorteam an einer verbesserten Webplattform, die den Zugang zu den gesammelten Daten erleichtern soll. Ziel ist es, die Visualisierung zu optimieren, Downloads zu vereinfachen und die Analyse klimatischer Entwicklungen über verschiedene Zeiträume hinweg zu ermöglichen.

Grenzen überwinden: Zusammenarbeit stärkt Wissenschaft und Forschungskompetenz: (Foto: INACH)

Diese Fortschritte kommen Forschern aus unterschiedlichsten Disziplinen zugute. So können beispielsweise Biowissenschaftler klimatische Daten nutzen, um das Verhalten von Tierpopulationen, etwa von Pinguinkolonien, besser zu verstehen und in Zusammenhang mit Umweltveränderungen zu analysieren.

Das Chilenisches Antarktisinstitut spielt dabei eine zentrale Rolle. Als dem Außenministerium unterstellte Einrichtung koordiniert es die nationale Antarktisforschung, fördert wissenschaftliche Exzellenz und stärkt die internationale Zusammenarbeit. Gleichzeitig trägt es dazu bei, Wissen über die Antarktis einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Region Magallanes als wichtiges Tor zum Weißen Kontinent weiterzuentwickeln.

Heiner Kubny, PolarJournal