Wie südafrikanische Pinguine langsam verhungern

von Rosamaria Kubny
12/17/2025

Die Pinguine in Boulders Beach leben inmitten der Zivilisation und durchstreifen die Gärten der Bewohner. (Foto: Heiner Kubny)

Kapstadt: Der Bestand der bedrohten Afrikanischen Pinguine bricht weiter dramatisch ein. Forschende schlagen Alarm. Entlang der südafrikanischen Küste verhungern immer mehr Tiere, weil ihnen die Nahrung ausgeht. Die kleinen schwarz-weißen Vögel, einst ein Symbol der reichen Meeresfauna des Landes, stehen vor einer existenziellen Krise.

Am Strand von Boulders Beach wird es immer ruhiger. (Foto: Heiner Kubny)

Überfischung und Klimawandel setzen der Art zu

Der wichtigste Grund für das Sterben ist der Mangel an Sardinen und Anchovis, jene Schwarmfische, von denen die Pinguine abhängig sind. Industrielle Fischereiflotten fangen die Bestände seit Jahren in großem Stil ab. Gleichzeitig verschieben steigende Meerestemperaturen die Fischschwärme in kühlere Regionen, oft weit entfernt von den Brutkolonien auf Robben Island, Boulders Beach und weiteren Küstenabschnitten.

„Die Tiere müssen immer größere Distanzen zurücklegen, um Nahrung zu finden“, sagt eine Meeresbiologin der südafrikanischen Naturschutzbehörde. „Viele schaffen es schlicht nicht mehr zurück zu ihren Küken.“

Wegen fehlendem Futter wird es schwierig den Nachwuchs grosszuziehen. (Foto: Heiner Kubny)

Verhungerte Küken in den Kolonien

Besonders dramatisch zeigt sich die Situation während der Brutzeit. In mehreren Kolonien wurden vermehrt verlassene oder verhungerte Jungtiere gefunden. Auch erwachsene Pinguine kehren teilweise so ausgemergelt ans Land zurück, dass sie kurz darauf sterben. Laut Naturschutzorganisationen ist die Zahl der Afrikanischen Pinguine in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 80 Prozent gesunken.

Im „SANCCOB“-Rettungszentrum werden die geschwächten Pinguine untersucht und gefüttert. (Foto: Heiner Kubny)

Hoffnung durch neue Schutzmaßnahmen

Die südafrikanische Regierung reagiert: Seit Kurzem wurden rund um wichtige Brutplätze Sperrzonen für die Fischerei eingerichtet. Erste Studien deuten darauf hin, dass die Pinguine in diesen Bereichen wieder häufiger Nahrung finden. Gleichzeitig versuchen Rettungsstationen, unterernährte Küken aufzupäppeln, bevor sie ausgewildert werden.

Im „SANCCOB“-Rettungszentrum in Kapstadt stehen Reihen von Plastikwannen. Jede enthält ein Pinguinküken, eingewickelt in Handtücher, manche mit Tropf, manche mit halb geschlossenen Augen. Freiwillige wischen den Boden, wärmen Futterbrei, kontrollieren Gewichte. Doch Expertinnen und Experten warnen: Ohne langfristige, konsequente Maßnahmen könnte die Art schon in wenigen Jahrzehnten aus der Natur verschwinden.

In Brutkästen versucht man mit Pinguineier geschlüpfte Pinguinküken grosszuziehen. (Foto: Heiner Kubny)

Ein Mahnmal des ökologischen Wandels

Das Schicksal der Afrikanischen Pinguine steht stellvertretend für ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Der Kampf um die letzten Schwarmfische zeigt, wie sichtbar die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten geworden sind. Für viele Forschende ist klar: Die Zeit, das Ruder herumzureißen, läuft ab.

Rosamaria Kubny, PolarJournal