Die fünf Länder, in denen Eisbären heimisch sind, haben sich auf einen neuen internationalen Aktionsplan zum Schutz der Art verständigt. Russland, die Vereinigten Staaten, Kanada, Norwegen und Dänemark (Grönland) beschlossen, ihre Zusammenarbeit bis 2028 zu intensivieren, um die langfristige Zukunft der Eisbärenpopulationen zu sichern.
Die Entscheidung fiel auf der neunten Sitzung der Vertragsparteien des Übereinkommens von 1973 zur Erhaltung der Eisbären. Das Treffen fand Ende Januar 2026 unter dänischem Vorsitz online statt und brachte Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Naturschutzbehörden aller Verbreitungsländer zusammen. Im Mittelpunkt standen sowohl eine Bilanz der bisherigen Maßnahmen als auch die Weichenstellung für die kommenden Jahre.
Zunächst zogen die Teilnehmenden eine gemeinsame Bilanz des Zirkumpolaren Aktionsplans 2015–2025. Dieses Programm gilt als Meilenstein der internationalen Eisbärenforschung. In den vergangenen zehn Jahren erstellten Wissenschaftler detaillierte Karten zur Populationsdichte in der gesamten Arktis, entwickelten ein einheitliches System zur Erfassung von Konflikten zwischen Menschen und Bär und prüften die Voraussetzungen für eine umfassende Zählung der Tiere im Arktischen Ozean.
Besondere Aufmerksamkeit fand der Beitrag der russischen Delegation. Sie stellte neue Daten zum Schutz der Eisbären innerhalb und außerhalb streng geschützter Naturgebiete vor. Dazu gehörten Beobachtungen aus entlegenen Regionen wie dem Franz-Josef-Land und den Bäreninseln sowie Modellrechnungen, die besonders geeignete Höhlenstandorte für trächtige Weibchen identifizieren. Diese Rückzugsorte gelten als entscheidend für den Fortpflanzungserfolg und damit für das Überleben der Art.
Der nun verabschiedete Aktionsplan setzt bis 2028 auf eine verstärkte wissenschaftliche Überwachung, den konsequenten Schutz wichtiger Lebensräume und eine engere internationale Abstimmung. Fachleute der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) sowie Arbeitsgruppen des Arktischen Rates sollen die Umsetzung begleiten und bewerten.
Der Eisbär ist dabei mehr als nur ein ikonisches Tier des hohen Nordens. Als Spitzenprädator reagiert er besonders sensibel auf Veränderungen seines Lebensraums. Sein Zustand gilt daher als Gradmesser für die Gesundheit der gesamten Arktis. Wie erfolgreich der neue Aktionsplan sein wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die beteiligten Staaten ihre Zusammenarbeit angesichts wachsender ökologischer und geopolitischer Herausforderungen weiter vertiefen können.
Rosamaria Kubny, PolarJournal

