Versunkene Atom-Altlasten in der Arktis aufgespürt

von Heiner Kubny
03/08/2026

Wissenschaftler haben während einer Expedition mit dem Forschungsschiff Akademik Ioffe in der Barents- und Karasee versunkene Schiffe mit radioaktiven Abfällen lokalisiert.
Auf der 70. Expedition der Akademik Ioffe wurde erstmals seit fast 20 Jahren der genaue Standort zweier Wracks mit radioaktivem Abfall in der Kara- und Barentssee bestimmt. (Foto: Heiner Kubny)

Fast zwei Jahrzehnte lang blieben sie verschwunden, nun sind ihre Positionen bekannt: Wissenschaftler des Schirschow-Institut für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften haben während einer Expedition mit dem Forschungsschiff Akademik Ioffe in der Barents- und Karasee versunkene Schiffe mit radioaktiven Abfällen lokalisiert. Die Mission erfolgte gemeinsam mit dem Kurtschatow-Institut.

Suchroutenplan für den Lastkahn Likhter-4 mit festem radioaktivem Abfall und das Endlager TRO-8, sowie Sonarbilder des Lastkahns und von Ansammlungen von Metallbehältern mit festem radioaktivem Abfall. (Foto: Shirshov-Institut für Ozeanologie (IO RAS)

Im Fokus stand ein sensibles Kapitel sowjetischer Entsorgungsgeschichte. In der Techenij-Bucht auf Nowaja Semlja wurden in den 1980er Jahren 146 Behälter mit festen radioaktiven Abfällen sowie der Lastkahn „Likhter-4“ versenkt.

Der Lastkahn transportierte auch zwei Reaktorabteile des sowjetischen Atom-U-Bootes K-22, deren Brennstoff zuvor mit Blei ummantelt worden war. Auch hier hatten frühere Expeditionen an den archivierten Koordinaten keine entsprechenden Funde gemacht.

Ausgehend von der Hypothese, dass sich die tatsächlichen Versenkungsorte geringfügig von den Archivangaben unterschieden, entwickelten die Forscher ein spezielles Suchroutensystem. Zunächst wurden Ansammlungen von Abfallbehältern entdeckt, schließlich auch das mutmaßliche Wrack des Lastkahns.

In der Techenij-Bucht an der Ostküste von Nowaja Semlja wurden radioaktive Abfälle sowie der gesunkene Lastkahn „Likhter-4“ lokalisiert. (Grafik: Heiner Kubny)

Brisant ist die Frage nach der Umweltgefahr. Nach Angaben der Forscher zeigen aktuelle Strahlungsmessungen jedoch, dass die Schutzbarrieren intakt sind und keine erhöhte radioaktive Belastung des Meerwassers festgestellt wurde.

Die Entdeckungen werfen dennoch ein Schlaglicht auf das Ausmaß der in der Arktis versenkten Altlasten und auf die langfristige Verantwortung im Umgang mit nuklearem Erbe.

Heiner Kubny, PolarJournal