Bulgarische Antarktisforschung

von Heiner Kubny
06/07/2026

Die Station St. Kliment Ohridski ist ein zentraler Pfeiler der bulgarischen Antarktisstrategie: Sie stärkt die internationale Forschungspräsenz des Landes und dient zugleich als Ausbildungsstätte für Nachwuchswissenschaftler in Natur- und Geowissenschaften. (Foto: BAI)

Bulgarien begann seine Aktivitäten in der Antarktis bereits in den Jahren 1967–1969, als bulgarische Meteorologen an der XIII. Sowjetischen Antarktisexpedition teilnahmen. Ein wichtiger Entwicklungsschritt erfolgte im Südsommer 1987/88, als sechs bulgarische Wissenschaftler gemeinsam mit internationalen Partnern arbeiteten, um Erfahrungen in Forschung und Logistik zu sammeln. In dieser Zeit wurde auf Livingston Island eine Schutzstation eingerichtet.

Auf der St. Kliment Ohridski Station wird vor allem zu Klima, Gletschern, Tier- und Pflanzenwelt sowie zur Geologie geforscht. Die Station dient außerdem als Basis für internationale Expeditionen. (Foto: BAI)

Zwischen 1993 und 2022 organisierte Bulgarien insgesamt 30 Antarktisexpeditionen. Dabei entstand die Sommerstation «St. Kliment Ohridski», die bis zu 25 Personen aufnehmen kann und sowohl saisonal als auch dauerhaft genutzt wird. Ihr Betrieb wird durch die Unterstützung spanischer Polarinstitutionen ermöglicht. Die Organisation der Expeditionen erfolgt durch das Bulgarische Antarktisinstitut, während die Finanzierung hauptsächlich vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft getragen wird.

Die wissenschaftliche Arbeit umfasst vor allem Geowissenschaften, Lebenswissenschaften sowie Umwelt- und medizinische Forschung. In der Geologie liegt der Fokus auf der Entwicklung der Südlichen Shetlandinseln, wobei ein bedeutender Fossilfund neue Erkenntnisse zur Erdgeschichte lieferte. Die biologische Forschung konzentriert sich auf die Biodiversität von Livingston Island, wo zahlreiche Arten untersucht und mehrere neue entdeckt wurden. Auch genetische Studien an Pinguinen sowie Umweltuntersuchungen, etwa zur Belastung durch Schwermetalle, spielen eine wichtige Rolle.

Die Lame Dog Hut wurde im April 1988 errichtet und diente bis 1998 als Hauptgebäude der St. Kliment Ohridski Station. Heute ist sie das älteste erhaltene Bauwerk auf Livingston Island und beherbergt eine Museumsausstellung mit Artefakten aus den frühen bulgarischen Wissenschafts- und Logistikmissionen in der Antarktis. (Foto: BAI)

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erforschung der Auswirkungen von UV-Strahlung auf Zellen sowie entsprechender Schutzmechanismen. In der Glaziologie und Meteorologie stehen die Untersuchung von Mikroklimata, die Entwicklung moderner Messmethoden und die Analyse von Eisproben im Mittelpunkt.

Das Nationale Antarktisprogramm ist offen für bulgarische Wissenschaftler und stark international ausgerichtet. Bulgarien ist seit 1978 Teil des Antarktisvertrags und seit 1998 Konsultativpartei. Insgesamt hat sich das Land zu einem aktiven und verlässlichen Partner in der internationalen Polarforschung entwickelt und trägt wesentlich zum Verständnis der antarktischen Umwelt bei.

Website: Bulgarian Antarctic Institute

Heiner Kubny, PolarJournal