Mit der «Vankor–Payakha–Sever-Bay-Pipeline» treibt Russland eines der größten Energieprojekte im hohen Norden voran. Die rund 770 Kilometer lange Leitung ist Teil von Rosnefts Projekt „Vostok Oil“ und soll Rohöl aus arktischen Fördergebieten zu einem neuen Exportterminal an der Karasee transportieren. Von dort ist der Weitertransport über die Nördliche Seeroute geplant.
Gebaut wird in einer extrem sensiblen Region. Die Pipeline verläuft durch Permafrost Gebiete, die sich infolge des Klimawandels zunehmend destabilisieren. Fachleute warnen vor Bodenabsenkungen und Schäden an der Leitung, die Lecks begünstigen könnten. Ein Ölunfall in dieser abgelegenen Region wäre nur schwer und langsam zu beherrschen.
Der Einsatz von kettengetriebenen Geländefahrzeugen in der Taimyr-Tundra während der Sommermonate ist sogar gemäß der geltenden russischen Gesetzgebung ausdrücklich verboten.
Bereits der Bau hinterlässt deutliche Spuren in der Tundra. Satellitenbilder zeigen breite Schneisen, Baustraßen und verdichtete Böden. In der Arktis regeneriert sich die Natur nur sehr langsam, sodass Eingriffe langfristige Folgen für Wasserhaushalt und Ökosysteme haben können.
Auch klimapolitisch ist das Projekt umstritten. Die Pipeline schafft neue Exportkapazitäten für fossile Energien – und damit eine Infrastruktur, die über Jahrzehnte genutzt werden dürfte. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zu globalen Klimazielen, während Rosneft auf wirtschaftliche Entwicklung und vergleichsweise effiziente Förderung verweist.
So steht die Pipeline sinnbildlich für einen grundlegenden Konflikt zwischen wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen auf der einen Seite und Umwelt- sowie Klimaschutz auf der anderen.
Heiner Kubny, PolarJournal

